Aktionen

Offiziershauptprüfung

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Version vom 16. Februar 2026, 13:48 Uhr von Andreas (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Ausbildung Offiziers-Hauptprüfung
Die Offiziers-Hauptprüfung war das finale Examen und der formale Abschluss der akademischen Offiziersausbildung in der Kriegsmarine. Sie war für alle Laufbahnen (Seeoffiziere, Ingenieuroffiziere, Sanitätsoffiziere etc.) obligatorisch und markierte den entscheidenden Übergang vom Anwärterstatus zum verantwortlichen Vorgesetzten.
Historischer Kontext & Prüfungsablauf
Terminierung: Das Examen fand am Ende der theoretischen Hauptlehrgänge statt (z. B. an der M.S.M. Mürwik für Seeoffiziere oder der Marineschule Kiel-Wik für Ingenieure).
Phase 1: Schriftlich Eine Woche intensiver Klausuren in Navigation, Mathematik, Physik und Taktik. Aufgaben waren auf extremen Zeitdruck ausgelegt; Rechenfehler in der Navigation galten als "Schiffsverlust" und führten zum sofortigen Nichtbestehen.
Phase 2: Praktisch Durchführung von Gestirnsmessungen mit dem Sextanten bei jedem Wetter. Ab 1941 wurde hierbei verstärkt der Ausfall technischer Hilfsmittel simuliert, um die Autarkie des Offiziers auf See zu prüfen.
Phase 3: Mündlich Das „Große Kreuzverhör“ vor einer Hochwert-Kommission. Es wurden weniger Wissensfragen als vielmehr taktische Dilemmata gestellt. Bewertet wurde die „Offizierspersönlichkeit“: Stimme, Haltung und die Bestimmtheit der Befehlsgebung unter Stress.
Laufbahnspezifische Schwerpunkte & Tradition
Fachgebiete: Je nach Laufbahn lag der Fokus auf Navigation und Taktik (See) oder Maschinenkunde und Statik (Ing.). Einheitlich geprüft wurden Menschenführung, Disziplinarrecht und Seekriegsrecht.
Die „Kriegshauptprüfung“: Ab 1940/41 wurde die Prüfung pragmatischer. Akademische Tiefe wich der harten Notwendigkeit der Frontreife (Fokus auf Schadensbekämpfung und Navigation in Minengebieten).
Abschluss-Ritual: Unmittelbar nach Bekanntgabe der Ergebnisse erfolgte die Beförderung zum Oberfähnrich. Ab diesem Moment durften die Absolventen den Offiziersdolch als äußeres Rangabzeichen tragen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Selektionsinstrument: Das „Prädikat“ (die Note) war entscheidend. Ein „Genügend“ verbaute oft den Weg zur prestigeträchtigen U-Boot-Waffe; gesucht waren Absolventen mit überdurchschnittlichen Leistungen in technischen und taktischen Fächern.
Qualifikation: Das Bestehen war die zwingende Voraussetzung für die Ernennung zum Oberfähnrich und die Zulassung zu den finalen Waffenlehrgängen (z.B. Torpedooffizierslehrgang).
Personalhistorie: In den Stammrollen (BArch PERS 6) dokumentiert dieser Meilenstein den Abschluss der wissenschaftlichen Vorbereitung für den Kriegsdienst auf See.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch PERS 6 Personalakten der Kriegsmarine (Enthalten die individuellen Zeugnisse der Hauptprüfung und Charakterbeurteilungen für alle Offizierslaufbahnen).
BArch RM 123 Akten der Inspektion des Bildungswesens der Marine. Beinhaltet die fachspezifischen Prüfungsordnungen der verschiedenen Marineschulen.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Systematische Darstellung des Prüfungswesens).
Busch / Röll "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". (Informationen zur fachlichen Auslese der Kommandantenlaufbahn).
Güth, Rolf "Die Marineausbildung im Wandel" (Details zur pädagogischen und militärischen Gewichtung der Hauptprüfung).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132