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Korporalschaftsführer: Unterschied zwischen den Versionen

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| || colspan="3" |Jede Kompanie wird für den inneren und äußeren Dienst in mehrere Korporalschaften eingeteilt, deren Zahl nach der Stärke der Kompanie und der vorhandenen Unteroffiziere verschieden ist. An der Spitze einer jeden Korporalschaft steht ein '''Korporalschaftsführer''', kurz weg "der Korporal" genannt, an den ungeheure Anforderungen gestellt werden.
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| || colspan="3" |Der Korporal ist immer im Dienst, das Wort Ruhe gibt es für ihn nicht, er ist den ganzen Tag tätig, vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Für Alles, was seine Leute tun, ist er verantwortlich.
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! Dienststellung
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! '''Korporalschaftsführer'''
 
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| || colspan="3" |Die erste Anforderung, die man an ihn stellt, ist: strenge aber wohlwollende Behandlung der Untergebenen. Das klingt so leicht und einfach und ist doch so furchtbar schwer, wie schwer aber, kann nur Derjenige beurteilen, der selbst den bunten Rock angehabt hat und aus eigener Erfahrung weiß, was es heißt: Korporal zu sein. Die guten Element sind leicht zu lenken, aber es gibt auch Leute, die absichtlich ihrem Unteroffizier das Leben erschweren, die es darauf ablegen, ihn hineinfallen zu lassen, die sich innerlich freuen über jeden Tadel, den der Unteroffizier ihretwegen erhält. Solche gibt´s, und zwar mehr als man glaubt. Auch dann immer ruhig zu bleiben, nie zu schimpfen und zu schelten, auch dann immer der wohlwollende Vorgesetzte zu bleiben, erfordert viel Selbstbeherrschung und Selbstüberwindung. Niemals darf er durch sein dienstliches oder außerdienstliches Benehmen Anlaß zu einer Klage oder zu einer Beschwerde geben. Ruhiges Auftreten in und außer Dienst, Vermeiden von zu großer Vertraulichkeit im Verkehr mit den Untergebenen, sind weitere Anforderungen, die an ihn gestellt werden.
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| colspan="3" | Der Korporalschaftsführer bildete die unterste Ebene der militärischen Vorgesetztenhierarchie innerhalb der Kriegsmarine. Er fungierte als direktes Bindeglied zwischen der Mannschaft und der Zug- bzw. Kompanieführung. In der U-Boot-Waffe war diese Funktion sowohl in der kasernierten Ausbildung an Land als auch in der Organisation der Wachen an Bord von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Disziplin und Ordnung.
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| Kaiserliche Marine: || colspan="3" | Die Korporalschaft war die kleinste Einheit innerhalb der Matrosendivisionen (bis 31.12.1918); der Führer verantwortete die „Backsgemeinschaft“ (Tisch- und Stubengemeinschaft) [BArch RM 31].
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| Reichsmarine: || colspan="3" | Aufgrund geringer Personalstärke (01.01.1919 – 15.03.1935) oft ein hochqualifizierter Spezialist, der in den Küstenwehrabteilungen militärische und fachliche Führung vereinte.
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| Kriegsmarine: || colspan="3" | Standardfunktion für junge Unteroffiziere (Maate) ab 16.03.1935; Gliederung jeder Schiffsstammabteilung in Kompanien, Züge und schließlich Korporalschaften.
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| Ende 1945: || colspan="3" | Auflösung der Korporalschaftsstrukturen mit der Gesamtkapitulation und der Demobilisierung der Land- und Bordverbände im Mai 1945.
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| Aufsicht: || colspan="3" | Erster Ansprechpartner bei persönlichen Problemen; verantwortlich für die Durchsetzung von Befehlen und die strikte Einhaltung der Ordnung in der Kasernenunterkunft.
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| Fürsorge: || colspan="3" | Überwachung des Zustandes von Bekleidung und Ausrüstung sowie kontinuierliche Kontrolle der Gesundheit und ordnungsgemäßen Verpflegung der unterstellten Soldaten.
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| Gefechtsdienst: || colspan="3" | Führung spezifischer Trupps im Einsatzfall, beispielsweise einer Munitionsgruppe oder eines Teils der Flak-Bedienung auf dem Wintergarten eines U-Bootes.
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| Wachorganisation: || colspan="3" | Strukturierung der Freiwachen und Unterstützung des Wachoffiziers bei der personellen Einteilung der verschiedenen Stationen während der Feindfahrt.
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| BArch RM 6 || colspan="3" | Oberkommando der Kriegsmarine (O.K.M.): Enthält grundlegende Dienstvorschriften zur inneren Führung der Korporalschaften.
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| Marinedienstvorschrift Nr. 32 || colspan="3" | Bestimmungen für die personelle Verwaltung der Kriegsmarine (Grundlagen der Unterführer-Laufbahn).
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band 2, Abschnitt Personalwesen und Gliederung).
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| Teske, Hermann (Hrsg.) || colspan="3" | "Die deutschen Marinen 1848–1945" (Strukturanalyse der kleinen taktischen Einheiten).
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
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Aktuelle Version vom 4. März 2026, 11:21 Uhr

Dienststellung Korporalschaftsführer
Der Korporalschaftsführer bildete die unterste Ebene der militärischen Vorgesetztenhierarchie innerhalb der Kriegsmarine. Er fungierte als direktes Bindeglied zwischen der Mannschaft und der Zug- bzw. Kompanieführung. In der U-Boot-Waffe war diese Funktion sowohl in der kasernierten Ausbildung an Land als auch in der Organisation der Wachen an Bord von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Disziplin und Ordnung.
Historische Entwicklung und Einordnung
Kaiserliche Marine: Die Korporalschaft war die kleinste Einheit innerhalb der Matrosendivisionen (bis 31.12.1918); der Führer verantwortete die „Backsgemeinschaft“ (Tisch- und Stubengemeinschaft) [BArch RM 31].
Reichsmarine: Aufgrund geringer Personalstärke (01.01.1919 – 15.03.1935) oft ein hochqualifizierter Spezialist, der in den Küstenwehrabteilungen militärische und fachliche Führung vereinte.
Kriegsmarine: Standardfunktion für junge Unteroffiziere (Maate) ab 16.03.1935; Gliederung jeder Schiffsstammabteilung in Kompanien, Züge und schließlich Korporalschaften.
Ende 1945: Auflösung der Korporalschaftsstrukturen mit der Gesamtkapitulation und der Demobilisierung der Land- und Bordverbände im Mai 1945.
Kernaufgaben und Verantwortlichkeiten
Ausbildung: Unmittelbare Vermittlung von militärischen Grundfertigkeiten wie Exerzieren, Waffenpflege sowie allgemeinem Seemannsbrauchstum für die unterstellten Mannschaften.
Aufsicht: Erster Ansprechpartner bei persönlichen Problemen; verantwortlich für die Durchsetzung von Befehlen und die strikte Einhaltung der Ordnung in der Kasernenunterkunft.
Fürsorge: Überwachung des Zustandes von Bekleidung und Ausrüstung sowie kontinuierliche Kontrolle der Gesundheit und ordnungsgemäßen Verpflegung der unterstellten Soldaten.
Gefechtsdienst: Führung spezifischer Trupps im Einsatzfall, beispielsweise einer Munitionsgruppe oder eines Teils der Flak-Bedienung auf dem Wintergarten eines U-Bootes.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Charakterschule: Die Bewährung als Korporalschaftsführer galt als wesentlicher Test für die Eignung zum Portepee-Unteroffizier oder für den späteren Aufstieg zum Kriegsoffizier.
Soziales Gefüge: Auf der extremen Enge eines U-Bootes war die Fähigkeit, eine kleine Gruppe reibungslos zu führen, eine überlebenswichtige Voraussetzung für das gesamte Boot.
Wachorganisation: Strukturierung der Freiwachen und Unterstützung des Wachoffiziers bei der personellen Einteilung der verschiedenen Stationen während der Feindfahrt.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 Ersatz- und Ausbildungsabteilungen: Dokumentation der Gliederung der Ausbildungseinheiten in spezifische Korporalschaften.
BArch PERS 6 Personalakten: In den Beurteilungen wird oft explizit die Bewährung als Korporalschaftsführer als Kriterium für die Beförderung erwähnt.
BArch RM 6 Oberkommando der Kriegsmarine (O.K.M.): Enthält grundlegende Dienstvorschriften zur inneren Führung der Korporalschaften.
Literaturverweise
Marinedienstvorschrift Nr. 32 Bestimmungen für die personelle Verwaltung der Kriegsmarine (Grundlagen der Unterführer-Laufbahn).
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band 2, Abschnitt Personalwesen und Gliederung).
Teske, Hermann (Hrsg.) "Die deutschen Marinen 1848–1945" (Strukturanalyse der kleinen taktischen Einheiten).
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