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Marinenachrichtendienst: Unterschied zwischen den Versionen

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| || colspan="3" | Im Januar 1940 folgte eine Aufteilung in die Abteilung '''Marinenachrichtendienst''' (2. Seekriegsleitung) und die Abteilung Nachrichtenauswertung (als neue 3/Skl unter Kapitän zur See Paul Wever). 2/Skl wurde anschließend bis zur erneuten Umgliederung von Fregattenkapitän Ludwig Stummel geleitet. Die Aufgabe von 2/Skl bestand in der Sammlung und Auswertung von Informationen über ausländische Seestreitkräfte und Flottenstützpunkte, Aufstellung und Zusammensetzung von Kampfgruppen (Task Forces), Schiffserkennung, technischen Daten etc. In der Abteilung 3/Skl wurde der Bereich Fremde Marinen und Funkaufklärung vereint. Der Bereich Funkaufklärung sollte im Juni 1941 wieder 2/Skl zugeteilt werden.
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| || colspan="3" | Mit dem Juni 1941 entstand eine eigene Amtsgruppe Marinenachrichtendienst (2/Skl) unter der Leitung von Konteradmiral Erhard Maertens, der zum September 1942 zum Vizeadmiral befördert wurde und bis Mai 1943 Chef des MND war. Zum gleichen Zeitpunkt wurde die Marinenachrichteninspektion aufgelöst und der neuen Amtsgruppe zugeordnet. Die ehemalige Abteilung 2/Skl wurde zur neuen Zentralabteilung (MND I). Die neue Amtsgruppe 2/Skl gliederte sich in eine Zentralabteilung (MND I), einem Generalreferat Nachrichtenübermittlungsdienst (MND II) und einem Generalreferat Funkaufklärung (MND III, auch B-Dienst genannt und von 3/Skl zugeteilt[24]).
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! Organisation
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! '''Marinenachrichtendienst'''
 
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| || colspan="3" | Folgende Generalreferats- bzw. Abteilungsleiter bei 2/Skl und der Nachfolgeorganisation 4/Skl existierten:
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| || colspan="3" | MND I: von der Einrichtung bis April 1943 Kapitän zur See Ludwig Stummel, dann bis September 1944 Kapitän zur See Johannes Möller
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| || colspan="3" | MND II: von der Einrichtung bis April 1943 Kapitän zur See Johannes Möller, von April 1943 bis Januar 1944 unter Kapitän zur See Max Kupfer und bis zur Auflösung Kapitän zur See Henno Lucan
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| colspan="2" | Der Marinenachrichtendienst war das zentrale Organ der Kriegsmarine für die gesamte Nachrichtenübermittlung, Funkaufklärung und den Chiffrierdienst. Er unterstand direkt der Seekriegsleitung (Skl) im Oberkommando der Kriegsmarine (OKM). Der MND gliederte sich in das Nachrichtenübermittlungswesen (Betrieb von Funkstellen) und den bedeutenden Beobachtungsdienst (B-Dienst), der für die Erfassung und Entzifferung feindlichen Funkverkehrs zuständig war. Er bildete das informationelle Nervensystem für die strategische und taktische Führung der Flotte auf allen Weltmeeren.
 
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| || colspan="3" | MND III: von der Einrichtung bis Januar 1944 Kapitän zur See Heinz Bonatz und bis zur Auflösung Kapitän zur See Max Kupfer
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| || colspan="3" | Im November 1941 wurde erst MND III zur Abteilung Funkaufklärung vergrößert und im Mai 1942 dann MND II zur Abteilung Nachrichtenübermittlungsdienst aufgebaut.
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| || colspan="3" | Im März 1943 erfolgte mit der Eingliederung der neuen Unterseebootsführungsabteilung (als 2/Skl B.d.U. op) ein erneuter Umbau und die Amtsgruppe Marinenachrichtendienst wurde als 4/Skl neu gebildet. Zusätzlich wurde später die neu gebildete Abteilung Funkmessdienst (MND IV) der Amtsgruppe zugeteilt, welche im Juni 1944 mit der Aufstellung der Abteilung Ortungsdienst (5/Skl) aber wieder aufgelöst wurde. Stattdessen wurde im September 1944 die Abteilung Drahtnachrichtendienst (neue MND IV) unter Kapitän zur See Willy Thiel angegliedert und die Zentralabteilung (MND I) zum Generalreferat verkleinert. Die neue Amtsgruppe Marinenachrichtendienst (4/Skl) wurde bis Mitte August 1944 vom ehemaligen Leiter der Zentralabteilung und jetzigem Konteradmiral Ludwig Stummel geleitet. Anschließend übernahm bis Ende Juli 1945 der Kapitän zur See/Konteradmiral Fritz Krauss die Leitung.
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! colspan="2" | Struktur, Funktion und Aufgaben
 
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| || colspan="3" | Im Zuge des U-Boot-Krieges wurde basierend auf den Erkenntnissen des Marinenachrichtendienstes sogenannte U-Bootgruppen gebildet, welche in Rudeltaktik die gegnerischen Geleitzüge angreifen sollten. Im Laufe des Krieges verlor der B-Dienst seine Vormachtstellung und so konnte keine geeignete Aufklärung über die bevorstehende Landung der Alliierten in der Normandie getätigt werden. Im Gegensatz dazu gelang es dem britischen Operational Intelligence Centre (OIC) sogar, mit einer geschickt angelegten Funktäuschung ("Operation Fortitude") den deutschen Abwehrdienst auf eine falsche Fährte zu locken.
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| || colspan="3" | Am 1. Mai 1945 erfolgte die Verlegung des Marinenachrichtendienstes nach Mürwik,[25] wo sich auch der letzte Reichspräsident Karl Dönitz mit der letzten Reichsregierung im dort neu eingerichteten Sonderbereich Mürwik niederließ. Nach der Bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 erfolgte am 23. Mai 1945 in Mürwik die Verhaftung der letzten Reichsregierung.  
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| Organisation: || colspan="2" | Geleitet vom Chef des Marinenachrichtenwesens; unterteilt in Abteilungen für Funkwesen, Drahtnachrichten und Funkaufklärung (B-Dienst).
 
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| Aufgabe: || colspan="2" | Sicherstellung der eigenen Kommunikation; Entzifferung gegnerischer Codes; Überwachung der Funkdisziplin; Bereitstellung von Funkmessdaten.
 
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| || colspan="3" | Aus Wikipedia/Deutschland [https://de.wikipedia.org/wiki/Marinenachrichtendienst | → Marinenachrichtendienst / MND]
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| Standorte: || colspan="2" | Zentrale in Berlin (Tirpitzufer) und im Hauptquartier „Koralle“; weltweites Netz von Sende-, Empfangs- und Peilstationen.
 
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| Ende 1945: || colspan="2" | Auflösung nach der Kapitulation; Übernahme wesentlicher Erkenntnisse und Fachpersonal durch alliierte Geheimdienste (z.B. TICOM).
 
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! colspan="2" | Spezifische Merkmale
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| B-Dienst: || colspan="2" | Erzielte zeitweise große Erfolge beim Mitlesen des britischen Marinecodes, was entscheidend für die Ansetzung von Kampfverbänden war.
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| Schlüsselwesen: || colspan="2" | Verwaltung und Weiterentwicklung der Enigma-Maschine (Schlüssel M) und der zugehörigen Codebücher.
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| Personal: || colspan="2" | Einsatz von hochqualifizierten Linguisten, Mathematikern und Funktechnikern sowie tausender Marinehelferinnen.
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! colspan="2" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
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| Funkführung: || colspan="2" | Der MND ermöglichte die zentrale Steuerung der U-Boot-Rudel durch den BdU mittels Kurzwellenfunk (Kurzsignale).
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| Geleitzugortung: || colspan="2" | Der B-Dienst lieferte die strategische Aufklärung über Kurs und Geschwindigkeit alliierten Nachschubs, was die U-Boot-Angriffe erst ermöglichte.
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| Ortungsschutz: || colspan="2" | Überwachung feindlicher Radar- und Peilaktivitäten zur Warnung der Boote vor drohender Entdeckung.
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! colspan="2" | Quellenverweise - [https://invenio.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
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| BArch RM 7 || colspan="2" | Seekriegsleitung: Akten der Abteilung Marinenachrichtenwesen (MND) über Organisation und operative Auswertung.
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| BArch RM 121 || colspan="2" | Marinelehrgänge und Schulen: Unterlagen zur Ausbildung des Fachpersonals der Nachrichtentruppe.
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| BArch RW 5 || colspan="2" | Amt Ausland/Abwehr: Akten über die Zusammenarbeit mit der Funkaufklärung der Marine.
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! colspan="2" | Literaturverweise
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| Giessler, Helmuth || colspan="2" | „Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst: Technische Entwicklung und operativer Einsatz“.
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="2" | „Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945“ (Band II, Kapitel Nachrichtenwesen).
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| Bonatz, Heinz || colspan="2" | „Die deutsche Marinefunkaufklärung 1914–1945“ (Standardwerk zum B-Dienst).
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| style="text-align:center" colspan="3" |  Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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| style="text-align:center" colspan="3" |  [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
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Aktuelle Version vom 7. März 2026, 17:10 Uhr

Organisation Marinenachrichtendienst
Der Marinenachrichtendienst war das zentrale Organ der Kriegsmarine für die gesamte Nachrichtenübermittlung, Funkaufklärung und den Chiffrierdienst. Er unterstand direkt der Seekriegsleitung (Skl) im Oberkommando der Kriegsmarine (OKM). Der MND gliederte sich in das Nachrichtenübermittlungswesen (Betrieb von Funkstellen) und den bedeutenden Beobachtungsdienst (B-Dienst), der für die Erfassung und Entzifferung feindlichen Funkverkehrs zuständig war. Er bildete das informationelle Nervensystem für die strategische und taktische Führung der Flotte auf allen Weltmeeren.
Struktur, Funktion und Aufgaben
Organisation: Geleitet vom Chef des Marinenachrichtenwesens; unterteilt in Abteilungen für Funkwesen, Drahtnachrichten und Funkaufklärung (B-Dienst).
Aufgabe: Sicherstellung der eigenen Kommunikation; Entzifferung gegnerischer Codes; Überwachung der Funkdisziplin; Bereitstellung von Funkmessdaten.
Standorte: Zentrale in Berlin (Tirpitzufer) und im Hauptquartier „Koralle“; weltweites Netz von Sende-, Empfangs- und Peilstationen.
Ende 1945: Auflösung nach der Kapitulation; Übernahme wesentlicher Erkenntnisse und Fachpersonal durch alliierte Geheimdienste (z.B. TICOM).
Spezifische Merkmale
B-Dienst: Erzielte zeitweise große Erfolge beim Mitlesen des britischen Marinecodes, was entscheidend für die Ansetzung von Kampfverbänden war.
Schlüsselwesen: Verwaltung und Weiterentwicklung der Enigma-Maschine (Schlüssel M) und der zugehörigen Codebücher.
Personal: Einsatz von hochqualifizierten Linguisten, Mathematikern und Funktechnikern sowie tausender Marinehelferinnen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Funkführung: Der MND ermöglichte die zentrale Steuerung der U-Boot-Rudel durch den BdU mittels Kurzwellenfunk (Kurzsignale).
Geleitzugortung: Der B-Dienst lieferte die strategische Aufklärung über Kurs und Geschwindigkeit alliierten Nachschubs, was die U-Boot-Angriffe erst ermöglichte.
Ortungsschutz: Überwachung feindlicher Radar- und Peilaktivitäten zur Warnung der Boote vor drohender Entdeckung.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 7 Seekriegsleitung: Akten der Abteilung Marinenachrichtenwesen (MND) über Organisation und operative Auswertung.
BArch RM 121 Marinelehrgänge und Schulen: Unterlagen zur Ausbildung des Fachpersonals der Nachrichtentruppe.
BArch RW 5 Amt Ausland/Abwehr: Akten über die Zusammenarbeit mit der Funkaufklärung der Marine.
Literaturverweise
Giessler, Helmuth „Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst: Technische Entwicklung und operativer Einsatz“.
Lohmann / Hildebrand „Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945“ (Band II, Kapitel Nachrichtenwesen).
Bonatz, Heinz „Die deutsche Marinefunkaufklärung 1914–1945“ (Standardwerk zum B-Dienst).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132