Aktionen

Fliegerschule (See) Parow: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
Zeile 1: Zeile 1:
 
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center"
 
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center"
 
|-
 
|-
| || colspan="3" |  
+
| || colspan="3" |
 
 
 
{| class="wikitable"
 
{| class="wikitable"
 
|-
 
|-
Zeile 15: Zeile 14:
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Die Fliegerschule (See) Parow (nahe Stralsund) war die zentrale Ausbildungsstätte für das fliegende Personal der Marine und eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen der Kriegsmarine und der Luftwaffe.
+
| colspan="3" | Die Fliegerschule (See) Parow bei Stralsund war eine der ältesten und bedeutendsten Ausbildungseinrichtungen für den maritimen Flugdienst in Deutschland. Sie diente primär der fliegerischen Grund- und Fachausbildung von Flugzeugführern und Beobachtern für Seeflugzeuge. Die Schule stellte das personelle Fundament für die Aufklärungs- und Küstenfliegerverbände dar und war ein zentraler Ort für die Vermittlung nautischer und fliegerischer Kenntnisse über See.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
Zeile 21: Zeile 20:
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Geschichte und Standorte
+
! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Kaiserliche Marine: Bereits im Ersten Weltkrieg wurde Parow als Seefliegerstation genutzt. Der Standort bot durch die Lage am Strelasund ideale Bedingungen für Wasserflugzeuge.
+
| colspan="3" | Aufstellung und Standort: Der Standort Parow blickt auf eine Tradition seit dem Ersten Weltkrieg zurück und wurde im Zuge der Aufrüstung ab 1935 massiv ausgebaut. Als Große Fliegerschule (See) unterstand sie dem Luftgaukommando und fachlich der Inspektion der See- und Küstenflieger. Die geographische Lage am Strelasund bot optimale Bedingungen für den Start und die Landung von Schwimmerflugzeugen und Flugbooten wie der Heinkel He 59, He 60 und später der Dornier Do 18.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Reichsmarine (1921–1935): Da Deutschland laut Versailler Vertrag keine Luftstreitkräfte besitzen durfte, wurde der Flugbetrieb in Parow unter ziviler Tarnung (beispielsweise durch die „Deutsche Verkehrsfliegerschule“) fortgeführt. Viele künftige U-Boot-Kommandanten der Crews 25 bis 32 absolvierten hier im Geheimen ihre Beobachterausbildung, um das Zusammenwirken von Schiff und Flugzeug zu erlernen.
+
| colspan="3" | Ausbildungsprofil: Der Fokus lag auf der Ausbildung im instrumentengestützten Flug über See, der maritimen Navigation und dem taktischen Beobachterdienst. Die Schüler lernten das Zusammenwirken mit Überwassereinheiten, die Schiffsidentifizierung sowie die Handhabung der Funk- und Signalmittel. Parow fungierte zudem als Kaderschmiede für das Personal der späteren Seenotstaffeln und Bordfliegergruppen.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Kriegsmarine/Luftwaffe (ab 1935): Mit der offiziellen Wiederaufrüstung wurde Parow zur Fliegerschule (See) ausgebaut. Obwohl die Luftwaffe administrativ zuständig war, blieb die Schule eng mit der Marine verzahnt, um das Personal für die Bordfliegerverbände und Fernaufklärer auszubilden.
+
| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges im Frühjahr 1945 wurde der Schulbetrieb durch Treibstoffmangel und die herannahende Front in Pommern fast vollständig eingestellt. Der Fliegerhorst wurde zum Evakuierungspunkt für Verwundete und Flüchtlinge aus dem Osten. Kurz vor der Besetzung durch sowjetische Truppen am 01.05.1945 wurden die technischen Anlagen unbrauchbar gemacht. Nach der Kapitulation am 08.05.1945 wurde das Gelände demontiert und später von der Nationalen Volksarmee (NVA) als Marinestandort weitergenutzt.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Ausbildungsprofil
+
! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Seeflieger-Ausbildung: In Parow wurden Piloten und Beobachter auf Schwimmerflugzeugen (wie der Heinkel He 60 oder He 114) und Flugbooten geschult.
+
| colspan="3" | Aufklärung für die U-Boot-Führung: Das in Parow ausgebildete Beobachterpersonal lieferte die fachliche Grundlage für die weitreichende Seeaufklärung. Die präzise Meldung von Schiffspositionen und Geleitzuggrößen durch die in Parow geschulten Flieger war essentiell für die operative Planung des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.).
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Navigation und Signaldienst: Ein wesentlicher Teil der Ausbildung war die Navigation über See und der Signaldienst, um eine fehlerfreie Kommunikation mit Einheiten wie der 2. Räumbootsflottille oder dem Führer der Vorpostenboote West zu gewährleisten.
+
| colspan="3" | Sicherung der Ausbildungsräume: Die von Parow aus operierenden Schul- und Sicherungsstaffeln überwachten die westlichen Ostseezugänge. Sie stellten sicher, dass die Übungsgebiete der Unterseeboot-Lehrdivisionen vor feindlicher Beobachtung geschützt blieben und koordinierten die Seenotrettung bei Havarien von U-Booten während der Ausbildung.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Zusammenarbeit mit U-Booten: Offiziere lernten hier die taktische Luftaufklärung für die Seekriegführung. Die in Parow geschulten Beobachter lieferten später die Daten für die Wolfsrudel-Angriffe, indem sie gegnerische Geleitzüge weit vor der Küste ausmachten.  
+
| colspan="3" | Gemeinsame Taktikschulung: In den Gewässern vor Parow fanden regelmäßige Übungen zwischen Seefliegern und U-Booten statt, um das gegenseitige Erkennen (Freund-Feind-Kennung) und das taktische Verhalten bei kombinierten Angriffen auf Seeziele zu trainieren.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Bedeutung für Offiziere
+
! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Viele spätere U-Boot-Kommandanten besuchten Parow als Fähnrich zur See oder Leutnant zur See, um die Befähigung als Bordfliegerbeobachter zu erlangen. Diese Erfahrung war entscheidend, um später an Bord eines U-Bootes die Gefahr aus der Luft (Stichwort: Meldeformeln bei Flugzeugsichtung) besser einschätzen zu können.
+
| B.Arch. RL 9 || colspan="3" | Akten der Ausbildungs- und Lehreinheiten der Luftwaffe (Dokumentiert die Organisationsstruktur und Lehrgangspläne der Schule Parow).
 
|-
 
|-
| ||
+
| B.Arch. RM 7 / 2331 || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung (Belegt die Bedeutung der Seeaufklärerausbildung für die strategische Führung).
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Das Ende 1945
+
| B.Arch. RL 2-III || colspan="3" | Unterlagen des Generalquartiermeisters der Luftwaffe (Enthält Bestandslisten der in Parow stationierten Flugzeugtypen).
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Gegen Kriegsende wurde der Flugbetrieb in Parow aufgrund von Treibstoffmangel und der herannahenden Front eingestellt. Das Personal wurde, wie auch in der 7. Schiffsstammabteilung, oft in Marine-Schützen-Bataillone eingegliedert und im Erdkampf eingesetzt. Nach der Kapitulation im Mai 1945 wurde der Platz von sowjetischen Truppen besetzt.
+
! colspan="3" | Literaturverweise
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| ||  
+
| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel zur Kooperation mit den Luftwaffenverbänden).
|-
 
! colspan="3" | Quellenangabe - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Invenio Online-Recherche]
 
 
|-
 
|-
| ||  
+
| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der gemeinsamen Dienststellen im Ostseeraum).
 
|-
 
|-
| BArch RL 10 || colspan="3" | Verbände und Ausbildungseinheiten der Luftwaffe/Seeflieger. Enthält die Ausbildungsprotokolle der Schule Parow.
+
| Ketley, Barry || colspan="3" | Luftwaffen-Seeflieger 1935–1945. (Detaillierte Darstellung der Ausbildungsstandorte und Einheiten).
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||

Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 13:23 Uhr

Datenblatt Fliegerschule (See) Parow
Die Fliegerschule (See) Parow bei Stralsund war eine der ältesten und bedeutendsten Ausbildungseinrichtungen für den maritimen Flugdienst in Deutschland. Sie diente primär der fliegerischen Grund- und Fachausbildung von Flugzeugführern und Beobachtern für Seeflugzeuge. Die Schule stellte das personelle Fundament für die Aufklärungs- und Küstenfliegerverbände dar und war ein zentraler Ort für die Vermittlung nautischer und fliegerischer Kenntnisse über See.
Historischer Kontext & Organisation
Aufstellung und Standort: Der Standort Parow blickt auf eine Tradition seit dem Ersten Weltkrieg zurück und wurde im Zuge der Aufrüstung ab 1935 massiv ausgebaut. Als Große Fliegerschule (See) unterstand sie dem Luftgaukommando und fachlich der Inspektion der See- und Küstenflieger. Die geographische Lage am Strelasund bot optimale Bedingungen für den Start und die Landung von Schwimmerflugzeugen und Flugbooten wie der Heinkel He 59, He 60 und später der Dornier Do 18.
Ausbildungsprofil: Der Fokus lag auf der Ausbildung im instrumentengestützten Flug über See, der maritimen Navigation und dem taktischen Beobachterdienst. Die Schüler lernten das Zusammenwirken mit Überwassereinheiten, die Schiffsidentifizierung sowie die Handhabung der Funk- und Signalmittel. Parow fungierte zudem als Kaderschmiede für das Personal der späteren Seenotstaffeln und Bordfliegergruppen.
Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges im Frühjahr 1945 wurde der Schulbetrieb durch Treibstoffmangel und die herannahende Front in Pommern fast vollständig eingestellt. Der Fliegerhorst wurde zum Evakuierungspunkt für Verwundete und Flüchtlinge aus dem Osten. Kurz vor der Besetzung durch sowjetische Truppen am 01.05.1945 wurden die technischen Anlagen unbrauchbar gemacht. Nach der Kapitulation am 08.05.1945 wurde das Gelände demontiert und später von der Nationalen Volksarmee (NVA) als Marinestandort weitergenutzt.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Aufklärung für die U-Boot-Führung: Das in Parow ausgebildete Beobachterpersonal lieferte die fachliche Grundlage für die weitreichende Seeaufklärung. Die präzise Meldung von Schiffspositionen und Geleitzuggrößen durch die in Parow geschulten Flieger war essentiell für die operative Planung des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.).
Sicherung der Ausbildungsräume: Die von Parow aus operierenden Schul- und Sicherungsstaffeln überwachten die westlichen Ostseezugänge. Sie stellten sicher, dass die Übungsgebiete der Unterseeboot-Lehrdivisionen vor feindlicher Beobachtung geschützt blieben und koordinierten die Seenotrettung bei Havarien von U-Booten während der Ausbildung.
Gemeinsame Taktikschulung: In den Gewässern vor Parow fanden regelmäßige Übungen zwischen Seefliegern und U-Booten statt, um das gegenseitige Erkennen (Freund-Feind-Kennung) und das taktische Verhalten bei kombinierten Angriffen auf Seeziele zu trainieren.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RL 9 Akten der Ausbildungs- und Lehreinheiten der Luftwaffe (Dokumentiert die Organisationsstruktur und Lehrgangspläne der Schule Parow).
B.Arch. RM 7 / 2331 Unterlagen der Seekriegsleitung (Belegt die Bedeutung der Seeaufklärerausbildung für die strategische Führung).
B.Arch. RL 2-III Unterlagen des Generalquartiermeisters der Luftwaffe (Enthält Bestandslisten der in Parow stationierten Flugzeugtypen).
Literaturverweise
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel zur Kooperation mit den Luftwaffenverbänden).
Hildebrand, Hans H. Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der gemeinsamen Dienststellen im Ostseeraum).
Ketley, Barry Luftwaffen-Seeflieger 1935–1945. (Detaillierte Darstellung der Ausbildungsstandorte und Einheiten).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
>>>>U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki<<<<
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132