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1. Minensuchhalbflottille: Unterschied zwischen den Versionen

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| colspan="3" | Die 1. Minensuchhalbflottille war ein kleinerer, taktischer Verband von Minensuchbooten, der primär in der Reichsmarine und in der frühen Phase der Kriegsmarine zur Sicherung der Küstengewässer und zur Minenabwehr eingesetzt wurde.
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| colspan="3" | Die 1. Minensuchhalbflottille war ein traditionsreicher Verband, dessen Geschichte eng mit der Entwicklung der Minensuchstreitkräfte von der Reichsmarine bis in die frühen Jahre der Kriegsmarine verbunden ist. Die Halbflottille bildete in der Zwischenkriegszeit den Kern der deutschen Minensuchverbände und war maßgeblich an der Erprobung neuer Taktiken und der Ausbildung des Stammpersonals beteiligt.
 
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! colspan="3" | Organisation und Aufgaben
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! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 
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| colspan="3" | Eine Halbflottille bestand in der Regel aus vier bis fünf Booten und wurde eingesetzt, wenn die Aufteilung einer vollen Flottille für regionale Sicherungsaufgaben notwendig war. Die Hauptaufgabe lag im Absuchen von Seewegen nach Minen, dem Geleitschutz für Handelsschiffe und der Sicherung von Übungsgebieten in der Ostsee. Die Einheiten dienten zudem als Ausbildungsschiffe, auf denen das Personal (beispielsweise künftige Obermatrosen) die praktische Seemannschaft und den Signaldienst unter Realbedingungen erlernte.
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| colspan="3" | Aufstellung und Standort: Die 1. Minensuchhalbflottille wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Rahmen der Neuorganisation der Reichsmarine formiert. Ihr Hauptstützpunkt befand sich über weite Strecken in Pillau (Ostpreußen) und später in Kiel. Sie unterstand dem Befehlshaber der Minensuchboote. Die Einheit war ursprünglich mit den bewährten Flachgehenden Minensuchbooten (F-Booten) und den Minensuchbooten vom Typ 1916 ausgestattet.
 
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| colspan="3" | Aufgaben und Spezialisierung: Die Hauptaufgabe in den 1920er und frühen 1930er Jahren bestand in der Räumung der noch vorhandenen Minensperren aus dem Ersten Weltkrieg in der Ost- und Nordsee. Darüber hinaus diente die Halbflottille als Erprobungsverband für neue Räumgeräte und als Ausbildungsschmiede für Offiziere und Mannschaften. Mit der zunehmenden Aufrüstung ab 1935 bildete sie den Grundstock für die Aufstellung der späteren Minensuchflottillen.
 
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! colspan="3" | Bedeutung für die Flotte
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: Im Zuge der massiven Expansion der Kriegsmarine wurde die 1. Minensuchhalbflottille am 01.10.1937 zur 1. Minensuchflottille umgegliedert und erweitert. Damit endete die Ära der Halbflottille als eigenständige Bezeichnung. Das Personal und die Boote (wie beispielsweise M 111, M 132 und M 146) wurden direkt in den neuen Verband übernommen, der bei Kriegsausbruch am 01.09.1939 sofort für aktive Sicherungsaufgaben in der Nordsee bereitstand.
 
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| colspan="3" | In der Zeit der Reichsmarine bildeten diese Verbände das Rückgrat der permanenten Präsenz auf See. Sie hielten die Verbindung zu den Landstellen der 1. Marine-Nachrichtenabteilung und stellten sicher, dass die schmalen Fahrwasser der Ostsee für die Schiffe der Flotte passierbar blieben. Viele Offiziere, die später auf Booten vom Typ VII C oder Typ XXI dienten, erhielten hier ihre erste bordpraktische Einweisung als Wachgänger.
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
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! colspan="3" | Technische Ausstattung
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| colspan="3" | Sicherung der Ausbildungsgewässer: In ihrer aktiven Zeit in der Ostsee stellte die Halbflottille die Minenfreiheit in den Übungsgebieten sicher, die später für die Unterseeboot-Lehrdivisionen von zentraler Bedeutung waren. Sie schuf die Voraussetzungen für einen gefahrlosen Ausbildungsbetrieb der frühen U-Boot-Crews.
 
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| colspan="3" | Kaderschmiede für Spezialisten: Viele erfahrene Unteroffiziere und Offiziere der 1. Minensuchhalbflottille wechselten später zur U-Boot-Waffe. Die dort erlernten Kenntnisse in der Navigation unter schwierigen Bedingungen und in der Handhabung von Sperrwaffen waren für den Dienst auf U-Booten hochgeschätzt.
 
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| colspan="3" | Der Verband nutzte meist Boote der älteren Bauarten (beispielsweise vom Typ 1916), die sich durch ihre Robustheit und Hochseetauglichkeit auszeichneten. Diese Schiffe waren mit mechanischen Räumgeräten (Scherdrachen) ausgestattet, um Ankertauminen zu kappen und unschädlich zu machen.
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| colspan="3" | Entwicklung von Geleittaktiken: Die bei der Halbflottille entwickelten Verfahren zum Schutz von Schiffseinheiten gegen Unterwassergefahren bildeten eine wichtige taktische Grundlage für die späteren Sicherungsverbände, welche die Front-U-Boote durch die gefährdeten Küstengewässer geleiteten.
 
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! colspan="3" | Das Ende
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
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| colspan="3" | Das Ende der 1. Minensuchhalbflottille war weniger ein gewaltsames Schicksal als vielmehr ein organisatorischer Übergang im Zuge der massiven Aufrüstung der deutschen Marine.
 
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! colspan="3" | Teilung und Aufstieg (Oktober 1933):
 
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| colspan="3" | Der Verband endete am 01.10.1933 in seiner Form als Halbflottille. Da die Einheit über die Jahre von vier auf acht Boote angewachsen war, wurde sie geteilt, um die 1. Minensuchflottille und die 2. Minensuchflottille neu aufzustellen.
 
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! colspan="3" | Verlegung:
 
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| colspan="3" | Mit dieser Umstrukturierung wurde die neue 1. Minensuchflottille von ihrem bisherigen Standort Kiel nach Pillau verlegt.
 
 
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| B.Arch. RM 69 / 1 || colspan="3" | Kriegstagebuch und Akten der 1. Minensuchflottille (Enthält die Übergabeprotokolle und Berichte aus der Zeit der Umgliederung der Halbflottille).
 
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! colspan="3" | Ausrüstung:
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| B.Arch. RM 61 || colspan="3" | Akten des Führers der Minensuchboote (Dokumentiert die organisatorische Entwicklung der Halbflottillen in der Reichsmarine).
 
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| B.Arch. RM 20 / 893 || colspan="3" | Unterlagen zur Zusammenarbeit zwischen Sicherungsstreitkräften und der U-Boot-Führung (Belegt die frühen Abstimmungen im Bereich der Küstensicherung).
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| colspan="3" | Zum Zeitpunkt ihrer Auflösung/Umwandlung war die Halbflottille noch mit den alten Minensuchbooten der Kaiserlichen Marine (Typ 1915/1916) ausgerüstet.
 
 
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! colspan="3" | Tradition:
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! colspan="3" | Literaturverweise
 
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| colspan="3" | Der Begriff der „Halbflottille“, der noch aus der kaiserlichen Marine stammte (wo zwei Halbflottillen eine Flottille bildeten), verschwand damit weitgehend aus der aktiven Verbandsbezeichnung dieser Einheiten.  
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Entwicklung der Minensuchverbände aus der Reichsmarine).
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! colspan="3" | Bedeutung für die Nachfolgeverbände
 
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| colspan="3" | Die aus der Halbflottille hervorgegangene 1. Minensuchflottille blieb bis zum Kriegsende im Mai 1945 aktiv. Sie nahm unter anderem an der Besetzung Norwegens (April 1940) teil und leistete Sicherungsdienste in der Nordsee sowie vor Holland und Frankreich.
 
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! colspan="3" | Quellenangabe
 
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| Bundesarchiv, Signatur RM 20 || colspan="3" | Dienststellen der Reichsmarine - Invenio Online-Recherche. Enthält allgemeine Aufstellungspläne und Verwendungsberichte für Minensuchverbände der Zwischenkriegszeit.
 
 
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| Lexikon der Wehrmacht || colspan="3" | → [https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Minensucher/1MinSuch.htm| 1. Minensuchhalbflottille]
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| Gröner, Erich || colspan="3" | Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. (Band 2, technische Daten zu den Booten des Typs 1916, die den Kern der Halbflottille bildeten).
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Detaillierte Übersicht der Flottillenchefs der 1. Minensuchhalbflottille).
 
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Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 11:06 Uhr

Datenblatt 1. Minensuchhalbflottille
Die 1. Minensuchhalbflottille war ein traditionsreicher Verband, dessen Geschichte eng mit der Entwicklung der Minensuchstreitkräfte von der Reichsmarine bis in die frühen Jahre der Kriegsmarine verbunden ist. Die Halbflottille bildete in der Zwischenkriegszeit den Kern der deutschen Minensuchverbände und war maßgeblich an der Erprobung neuer Taktiken und der Ausbildung des Stammpersonals beteiligt.
Historischer Kontext & Organisation
Aufstellung und Standort: Die 1. Minensuchhalbflottille wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Rahmen der Neuorganisation der Reichsmarine formiert. Ihr Hauptstützpunkt befand sich über weite Strecken in Pillau (Ostpreußen) und später in Kiel. Sie unterstand dem Befehlshaber der Minensuchboote. Die Einheit war ursprünglich mit den bewährten Flachgehenden Minensuchbooten (F-Booten) und den Minensuchbooten vom Typ 1916 ausgestattet.
Aufgaben und Spezialisierung: Die Hauptaufgabe in den 1920er und frühen 1930er Jahren bestand in der Räumung der noch vorhandenen Minensperren aus dem Ersten Weltkrieg in der Ost- und Nordsee. Darüber hinaus diente die Halbflottille als Erprobungsverband für neue Räumgeräte und als Ausbildungsschmiede für Offiziere und Mannschaften. Mit der zunehmenden Aufrüstung ab 1935 bildete sie den Grundstock für die Aufstellung der späteren Minensuchflottillen.
Das Schicksal bei Kriegsende: Im Zuge der massiven Expansion der Kriegsmarine wurde die 1. Minensuchhalbflottille am 01.10.1937 zur 1. Minensuchflottille umgegliedert und erweitert. Damit endete die Ära der Halbflottille als eigenständige Bezeichnung. Das Personal und die Boote (wie beispielsweise M 111, M 132 und M 146) wurden direkt in den neuen Verband übernommen, der bei Kriegsausbruch am 01.09.1939 sofort für aktive Sicherungsaufgaben in der Nordsee bereitstand.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Sicherung der Ausbildungsgewässer: In ihrer aktiven Zeit in der Ostsee stellte die Halbflottille die Minenfreiheit in den Übungsgebieten sicher, die später für die Unterseeboot-Lehrdivisionen von zentraler Bedeutung waren. Sie schuf die Voraussetzungen für einen gefahrlosen Ausbildungsbetrieb der frühen U-Boot-Crews.
Kaderschmiede für Spezialisten: Viele erfahrene Unteroffiziere und Offiziere der 1. Minensuchhalbflottille wechselten später zur U-Boot-Waffe. Die dort erlernten Kenntnisse in der Navigation unter schwierigen Bedingungen und in der Handhabung von Sperrwaffen waren für den Dienst auf U-Booten hochgeschätzt.
Entwicklung von Geleittaktiken: Die bei der Halbflottille entwickelten Verfahren zum Schutz von Schiffseinheiten gegen Unterwassergefahren bildeten eine wichtige taktische Grundlage für die späteren Sicherungsverbände, welche die Front-U-Boote durch die gefährdeten Küstengewässer geleiteten.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RM 69 / 1 Kriegstagebuch und Akten der 1. Minensuchflottille (Enthält die Übergabeprotokolle und Berichte aus der Zeit der Umgliederung der Halbflottille).
B.Arch. RM 61 Akten des Führers der Minensuchboote (Dokumentiert die organisatorische Entwicklung der Halbflottillen in der Reichsmarine).
B.Arch. RM 20 / 893 Unterlagen zur Zusammenarbeit zwischen Sicherungsstreitkräften und der U-Boot-Führung (Belegt die frühen Abstimmungen im Bereich der Küstensicherung).
Literaturverweise
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Entwicklung der Minensuchverbände aus der Reichsmarine).
Gröner, Erich Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. (Band 2, technische Daten zu den Booten des Typs 1916, die den Kern der Halbflottille bildeten).
Hildebrand, Hans H. Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Detaillierte Übersicht der Flottillenchefs der 1. Minensuchhalbflottille).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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