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Seefliegerwaffenschule Bug/Rügen: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| colspan="3" | Die Seefliegerwaffenschule (See.W.S.) Bug auf der Halbinsel Bug (Rügen) ist eine der zentralen technischen Schnittstellen zwischen der Luftwaffe und der Kriegsmarine. Dieser Standort besonders wertvoll, da hier die personelle und fachliche Basis für die Zusammenarbeit von Flugzeug und U-Boot (besonders bei der Torpedowaffenausbildung) geschaffen wurde.
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| colspan="3" | Die Seefliegerwaffenschule Bug auf der Halbinsel Bug (Rügen) war die zentrale Ausbildungseinrichtung der Luftwaffe für den taktischen und waffentechnischen Einsatz von Seeflugzeugen. Sie diente der spezialisierten Ausbildung von Flugzeugführern, Beobachtern und Bordschützen für den Seekrieg. Die Schule war maßgeblich an der Entwicklung und Erprobung von Verfahren zur Seezielbekämpfung, zur Aufklärung über See sowie zur Koordination zwischen Luft- und Seestreitkräften beteiligt.
 
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! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 
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| colspan="3" | Entstehung: Der Standort Bug wurde bereits im Ersten Weltkrieg als Seefliegerstation genutzt. Nach der verdeckten Wiederaufrüstung in der Weimarer Republik wurde die Schule in den 1930er Jahren unter dem Namen Seefliegerwaffenschule (später See.W.S. 1) fest etabliert.
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| colspan="3" | Aufstellung und Standort: Die Schule wurde in den 1930er Jahren im Zuge des Aufbaus der Luftwaffe auf dem strategisch günstig gelegenen Fliegerhorst Bug eingerichtet. Der Standort bot durch die geschützte Lage am Wieker Bodden ideale Bedingungen für den Betrieb von Schwimmerflugzeugen und Flugbooten (z. B. Heinkel He 114, He 115 und Arado Ar 196). Die Schule unterstand fachlich dem General der Luftwaffe beim Oberbefehlshaber der Kriegsmarine (Ob.d.M.).
 
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| colspan="3" | Funktion: Sie war die zentrale Ausbildungsstätte für das fliegende Personal der Seefernaufklärer, Bordflieger und Seenotrettungskräfte in Bezug auf den Waffeneinsatz über See.
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| colspan="3" | Ausbildungsprofil: Der Schwerpunkt lag auf der Waffen- und Gefechtsausbildung. Dazu gehörten das Schießen mit Bordwaffen auf Seeziele, der Abwurf von Bomben und Lufttorpedos sowie die Ausbildung im Minenlegen aus der Luft. Ein wesentlicher Teil war zudem die Schulung in der Funknavigation über offenen Gewässern und die Zusammenarbeit mit Überwasserverbänden durch optische und funktechnische Signalgebung.
 
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| colspan="3" | Kernbereiche: Ausbildung an Bordwaffen, Seeminenwurf und – für das Wiki besonders wichtig – der Lufttorpedowurf.
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: Mit dem Vorrücken der Roten Armee im Frühjahr 1945 wurde der Flugplatz Bug zum Sammelpunkt für Evakuierungsflüge aus den eingeschlossenen Ostgebieten. In den letzten Kriegstagen am 04.05.1945 und 05.05.1945 wurden die verbliebenen Anlagen gesprengt und das Personal zog sich nach Westen zurück. Nach der Kapitulation am 08.05.1945 wurde das Gelände von sowjetischen Truppen besetzt und die militärische Infrastruktur weitgehend demontiert.
 
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| colspan="3" | Erprobung: Neben der Ausbildung diente Bug als Erprobungsstelle für neue Munitionsarten und Abwurfverfahren, die später in der Kooperation mit U-Booten (z. B. bei kombinierten Angriffen auf Konvois) genutzt wurden.
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
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| colspan="3" | Ausbildung zur Fernaufklärung: In Bug wurden die Besatzungen geschult, die später als Fernaufklärer (z. B. mit der BV 138) die U-Boot-Rudel im Atlantik und Nordmeer an die alliierten Geleitzüge heranführten. Die Präzision der dort erlernten Standortbestimmung über See war die Voraussetzung für das taktische Zusammenwirken von "Grauen Wölfen" und Seefliegern.
 
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| colspan="3" | Ende: Mit dem Näherrücken der Front im Frühjahr 1945 wurde der Ausbildungsbetrieb eingestellt. Die Anlagen wurden am 04.05.1945 durch sowjetische Truppen besetzt, nachdem das Personal teils evakuiert und teils in Marine-Schützen-Einheiten eingegliedert worden war.
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| colspan="3" | U-Boot-Abwehr-Training: Die Schule führte Erprobungen zur Bekämpfung feindlicher U-Boote durch. Dieses Wissen wurde genutzt, um die eigenen U-Boot-Besatzungen über die Gefahren aus der Luft aufzuklären und Gegenmaßnahmen (z. B. Flak-Einsatz oder Tauchtaktiken) zu entwickeln, die in den Unterseeboot-Lehrdivisionen gelehrt wurden.
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| colspan="3" | Bordflugzeug-Ausbildung: Piloten für die Bordflugzeuge der Hilfskreuzer und schweren Einheiten, die oft zur weiträumigen Aufklärung für operierende U-Boote eingesetzt wurden, erhielten in Bug ihre fliegerische und waffentechnische Grundausbildung.
 
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
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| colspan="3" | Warum waren U-Boot-Kommandanten in Bug?
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| B.Arch. RL 9 || colspan="3" | Akten der Ausbildungs- und Lehreinheiten der Luftwaffe (Dokumentiert die Lehrgangspläne und die Organisation der Seefliegerwaffenschule).
 
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| colspan="3" | Lufttorpedo-Lehrgänge: Offiziere, die später bei der Luftwaffe als Beobachter dienten oder in Stäben die U-Boot-Flieger-Kooperation leiteten, lernten hier die Ballistik und die technischen Grenzen des Lufttorpedos kennen.
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| B.Arch. RM 7 / 2331 || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung (Belegt die taktische Zusammenarbeit zwischen Seefliegern und der U-Boot-Führung).
 
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| colspan="3" | Taktikabgleich: Kommandanten wurden nach Bug kommandiert, um den Fliegern die Sichtweise der U-Boot-Waffe zu vermitteln (z. B. „Wie erkenne ich aus der Luft, ob ein U-Boot Hilfe braucht oder zum Angriff ansetzt?“).
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| B.Arch. RL 2-III || colspan="3" | Unterlagen des Generalquartiermeisters der Luftwaffe (Enthält Berichte über die materielle Ausstattung des Standortes Bug).
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| colspan="3" | Seenotrettung: Da Bug ein Zentrum des Seenotdienstes war, wurden hier Verfahren zur Rettung von U-Boot-Besatzungen aus der Luft koordiniert.
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! colspan="3" | Literaturverweise
 
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! colspan="3" | Quellenangabe - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Invenio Online-Recherche]
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Zusammenarbeit mit der Luftwaffe).
 
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der gemeinsamen Dienststellen von Marine und Luftwaffe).
 
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| BArch RL 20 || colspan="3" | Schulen und Bildungseinrichtungen der Luftwaffe. Dies ist der Hauptbestand für Bug. Unter den Signaturen für die Seefliegerwaffenschule 1 finden sich Lehrgangslisten und Berichte über die Schießausbildung.
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| Green, William || colspan="3" | Warplanes of the Third Reich. (Technische Details zu den in Bug eingesetzten Seeflugzeugtypen).
 
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Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 13:21 Uhr

Datenblatt Seefliegerwaffenschule Bug (Rügen)
Die Seefliegerwaffenschule Bug auf der Halbinsel Bug (Rügen) war die zentrale Ausbildungseinrichtung der Luftwaffe für den taktischen und waffentechnischen Einsatz von Seeflugzeugen. Sie diente der spezialisierten Ausbildung von Flugzeugführern, Beobachtern und Bordschützen für den Seekrieg. Die Schule war maßgeblich an der Entwicklung und Erprobung von Verfahren zur Seezielbekämpfung, zur Aufklärung über See sowie zur Koordination zwischen Luft- und Seestreitkräften beteiligt.
Historischer Kontext & Organisation
Aufstellung und Standort: Die Schule wurde in den 1930er Jahren im Zuge des Aufbaus der Luftwaffe auf dem strategisch günstig gelegenen Fliegerhorst Bug eingerichtet. Der Standort bot durch die geschützte Lage am Wieker Bodden ideale Bedingungen für den Betrieb von Schwimmerflugzeugen und Flugbooten (z. B. Heinkel He 114, He 115 und Arado Ar 196). Die Schule unterstand fachlich dem General der Luftwaffe beim Oberbefehlshaber der Kriegsmarine (Ob.d.M.).
Ausbildungsprofil: Der Schwerpunkt lag auf der Waffen- und Gefechtsausbildung. Dazu gehörten das Schießen mit Bordwaffen auf Seeziele, der Abwurf von Bomben und Lufttorpedos sowie die Ausbildung im Minenlegen aus der Luft. Ein wesentlicher Teil war zudem die Schulung in der Funknavigation über offenen Gewässern und die Zusammenarbeit mit Überwasserverbänden durch optische und funktechnische Signalgebung.
Das Schicksal bei Kriegsende: Mit dem Vorrücken der Roten Armee im Frühjahr 1945 wurde der Flugplatz Bug zum Sammelpunkt für Evakuierungsflüge aus den eingeschlossenen Ostgebieten. In den letzten Kriegstagen am 04.05.1945 und 05.05.1945 wurden die verbliebenen Anlagen gesprengt und das Personal zog sich nach Westen zurück. Nach der Kapitulation am 08.05.1945 wurde das Gelände von sowjetischen Truppen besetzt und die militärische Infrastruktur weitgehend demontiert.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Ausbildung zur Fernaufklärung: In Bug wurden die Besatzungen geschult, die später als Fernaufklärer (z. B. mit der BV 138) die U-Boot-Rudel im Atlantik und Nordmeer an die alliierten Geleitzüge heranführten. Die Präzision der dort erlernten Standortbestimmung über See war die Voraussetzung für das taktische Zusammenwirken von "Grauen Wölfen" und Seefliegern.
U-Boot-Abwehr-Training: Die Schule führte Erprobungen zur Bekämpfung feindlicher U-Boote durch. Dieses Wissen wurde genutzt, um die eigenen U-Boot-Besatzungen über die Gefahren aus der Luft aufzuklären und Gegenmaßnahmen (z. B. Flak-Einsatz oder Tauchtaktiken) zu entwickeln, die in den Unterseeboot-Lehrdivisionen gelehrt wurden.
Bordflugzeug-Ausbildung: Piloten für die Bordflugzeuge der Hilfskreuzer und schweren Einheiten, die oft zur weiträumigen Aufklärung für operierende U-Boote eingesetzt wurden, erhielten in Bug ihre fliegerische und waffentechnische Grundausbildung.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RL 9 Akten der Ausbildungs- und Lehreinheiten der Luftwaffe (Dokumentiert die Lehrgangspläne und die Organisation der Seefliegerwaffenschule).
B.Arch. RM 7 / 2331 Unterlagen der Seekriegsleitung (Belegt die taktische Zusammenarbeit zwischen Seefliegern und der U-Boot-Führung).
B.Arch. RL 2-III Unterlagen des Generalquartiermeisters der Luftwaffe (Enthält Berichte über die materielle Ausstattung des Standortes Bug).
Literaturverweise
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Zusammenarbeit mit der Luftwaffe).
Hildebrand, Hans H. Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der gemeinsamen Dienststellen von Marine und Luftwaffe).
Green, William Warplanes of the Third Reich. (Technische Details zu den in Bug eingesetzten Seeflugzeugtypen).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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