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Fernaufklärer-Gruppe 123: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| colspan="3" | Fernaufklärer-Gruppe 123 (offiziell: Aufklärungsgruppe 123) war ein fliegender Verband der Luftwaffe, der aufgrund seiner weitreichenden Einsätze über See eine zentrale Rolle für die strategische Lagebeurteilung der Marine und der U-Boote spielte. Die Gruppe war darauf spezialisiert, Aufklärungsergebnisse über enorme Distanzen zu liefern. Sie war das Fernauge für die Seekriegsleitung und den Befehlshaber der Unterseeboote.
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| colspan="3" | Die Fernaufklärer-Gruppe 123 war ein spezialisierter Aufklärungsverband der Luftwaffe, der während des Zweiten Weltkrieges eine zentrale Rolle bei der taktischen und strategischen Luftaufklärung über See sowie über feindlichem Territorium spielte. Die Gruppe operierte in enger Abstimmung mit den Seestreitkräften und lieferte unverzichtbare Daten über Schiffsbewegungen, Hafenanlagen und Wetterbedingungen im Atlantik sowie im Ärmelkanal.
 
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! colspan="3" | Aufstellung und maritime Verbindung
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! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 
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| colspan="3" | Die Gruppe wurde bereits vor dem Krieg formiert und verfügte über Personal, das oft eine Beobachterausbildung an Schulen wie der Fliegerschule (See) Parow absolviert hatte. Die Offiziere beherrschten die maritime Navigation und den Signaldienst so sicher, dass sie Schiffsverbände auch bei schlechter Sicht präzise identifizieren konnten. Dies war das Erbe der methodischen Ausbildung, wie sie bereits in der Reichsmarine und der Kaiserlichen Marine für das Zusammenwirken von Luft und See gepflegt wurde.
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| colspan="3" | Aufstellung und Standorte: Die Gruppe wurde im Zuge der Mobilmachung 1939 aus bestehenden Aufklärungseinheiten formiert. Ihre Staffeln waren über den gesamten Westraum verteilt, wobei Stützpunkte wie Brest, Lannion und Buc in Frankreich sowie Stärken in Sizilien für den Mittelmeerraum genutzt wurden. Truppendienstlich unterstand die Gruppe verschiedenen Fliegerkorps, operativ jedoch häufig dem Fliegerführer Atlantik. Zum Einsatz kamen überwiegend zweimotorige Flugzeuge wie die Dornier Do 17, Junkers Ju 88 und später die Messerschmitt Me 410.
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| colspan="3" | Aufgabenprofil: Die Kernaufgabe der Fernaufklärer-Gruppe 123 war die Überwachung der alliierten Geleitzugrouten und die Aufklärung der Invasionshäfen in Südengland. Die Besatzungen führten hochriskante Bildflüge durch, um Veränderungen im Schiffsraum und neue Verteidigungsanlagen zu dokumentieren. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Wettererkundung über dem Atlantik, die für die Planung von Marine- und Luftwaffenoperationen grundlegend war.
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: Mit der alliierten Landung in der Normandie 1944 und dem Verlust der französischen Stützpunkte wurde die Gruppe nach Deutschland zurückgezogen. In der Endphase des Krieges am 08.05.1945 war die Gruppe faktisch aufgelöst, wobei die verbliebenen Maschinen und Besatzungen in andere Aufklärungseinheiten eingegliedert oder zur Reichsverteidigung herangezogen worden waren. Die wertvollen Bildarchive der Gruppe wurden teilweise vor der Kapitulation vernichtet.
 
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! colspan="3" | Einsatz am Atlantik und Ärmelkanal
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
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| colspan="3" | Nach dem Westfeldzug operierten Teile der Gruppe (insbesondere die 1. Staffel) von Stützpunkten in Frankreich aus, wie beispielsweise Brest oder Lannion.
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| colspan="3" | Einweisung von U-Boot-Rudeln: Die Fernaufklärer-Gruppe 123 war maßgeblich daran beteiligt, feindliche Geleitzüge im Ostatlantik und in der Biskaya aufzuspüren. Die Sichtmeldungen der Gruppe wurden über den Fliegerführer Atlantik unmittelbar an den Befehlshaber der Unterseeboote (B.d.U.) weitergegeben, der daraufhin die Aufstellung der U-Boot-Sperren koordinierte.
 
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| colspan="3" | Strategische Aufklärung: Mit Flugzeugen vom Typ Junkers Ju 88 oder Dornier Do 17 überwachten sie die Ein- und Auslaufwege der alliierten Geleitzüge im Nordatlantik und dem Ärmelkanal.
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| colspan="3" | Überwachung der Stützpunkt-Zufahrten: Die Aufklärungsergebnisse über britische Flottenbewegungen im Ärmelkanal ermöglichten es der U-Boot-Führung, sicherere Routen für die Überführung von Booten zwischen den Werften und den Frontflottillen in der Biskaya zu planen.
 
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| colspan="3" | Zieldaten für Wolfsrudel: Die Fernaufklärer lieferten die entscheidenden Erst-Sichtungen. Über die 1. Marine-Nachrichtenabteilung wurden diese Daten an die Frontflottillen weitergegeben. Ein U-Boot-Kommandant war auf diese Aufklärung angewiesen, um sein Boot in eine günstige Angriffsposition zu manövrieren.
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| colspan="3" | Wetterdaten für den U-Boot-Krieg: Da die U-Boote auf See nur begrenzte Möglichkeiten zur Wetterbeobachtung hatten, waren die meteorologischen Daten der Fernaufklärer-Gruppe 123 entscheidend für die Planung von Angriffen und die Einschätzung der Seeausdauer der Boote in stürmischen Perioden.
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| colspan="3" | Wegesicherung: Die Gruppe meldete feindliche Flottenbewegungen an den Führer der Vorpostenboote West, um die Sicherungsverbände rechtzeitig vor alliierten Zerstörern zu warnen.
 
 
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! colspan="3" | Technischer Vorsprung und Ortung
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
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| colspan="3" | Die Beobachter der Gruppe 123 waren oft Pioniere bei der Nutzung früher Radargeräte und elektronischer Aufklärung (Schnittstelle zum Ortungslehrgang). Sie lernten, die Funkdisziplin zu wahren und dennoch zeitkritische Meldungen an die Marine abzusetzen. Bei Sichtkontakt mit eigenen U-Booten wurden die Meldeformeln bei Flugzeugsichtung angewandt, um Missverständnisse und Eigenbeschuss zu vermeiden.
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| B.Arch. RL 10 || colspan="3" | Akten der Verbände der Luftwaffe (Dokumentiert die Kriegstagebücher und die personelle Struktur der Fernaufklärer-Gruppe 123).
 
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| B.Arch. RM 7 / 2333 || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung zum Westraum (Belegt die enge operative Zusammenarbeit zwischen Luftaufklärung und U-Boot-Führung).
 
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! colspan="3" | Das Ende 1944/1945
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| B.Arch. RL 2-III || colspan="3" | Unterlagen des Generalquartiermeisters der Luftwaffe (Enthält Berichte über die materielle Ausstattung und Verluste der Gruppe).
 
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| colspan="3" | Mit der Räumung Frankreichs wurde die Gruppe nach Deutschland zurückgezogen. In der Endphase des Krieges wurde der Verband aufgelöst oder zur Aufstellung neuer Einheiten herangezogen. Das fliegende Personal wurde teilweise in die Personalreserve der Marine überführt oder im infanteristischen Erdkampf eingesetzt.
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! colspan="3" | Literaturverweise
 
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Luftwaffenunterstützung im Seekrieg).
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! colspan="3" | Quellenangabe
 
 
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| Dierich, Wolfgang || colspan="3" | Die Verbände der Luftwaffe 1935–1945. (Systematische Übersicht der Einsatzgeschichte der Aufklärungsgruppen).
 
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| Bundesarchiv, Signatur RL 10 || colspan="3" | Verbände und Ausbildungseinheiten der Luftwaffe. [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Direktrecherche Invenio]. Enthält Kriegstagebücher und Flugbucheinträge der Aufklärungsgruppe 123.
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| Tessin, Georg || colspan="3" | Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. (Band 6, zu den Luftwaffeneinheiten im Westen).
 
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Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 13:29 Uhr

Datenblatt Fernaufklärer-Gruppe 123
Die Fernaufklärer-Gruppe 123 war ein spezialisierter Aufklärungsverband der Luftwaffe, der während des Zweiten Weltkrieges eine zentrale Rolle bei der taktischen und strategischen Luftaufklärung über See sowie über feindlichem Territorium spielte. Die Gruppe operierte in enger Abstimmung mit den Seestreitkräften und lieferte unverzichtbare Daten über Schiffsbewegungen, Hafenanlagen und Wetterbedingungen im Atlantik sowie im Ärmelkanal.
Historischer Kontext & Organisation
Aufstellung und Standorte: Die Gruppe wurde im Zuge der Mobilmachung 1939 aus bestehenden Aufklärungseinheiten formiert. Ihre Staffeln waren über den gesamten Westraum verteilt, wobei Stützpunkte wie Brest, Lannion und Buc in Frankreich sowie Stärken in Sizilien für den Mittelmeerraum genutzt wurden. Truppendienstlich unterstand die Gruppe verschiedenen Fliegerkorps, operativ jedoch häufig dem Fliegerführer Atlantik. Zum Einsatz kamen überwiegend zweimotorige Flugzeuge wie die Dornier Do 17, Junkers Ju 88 und später die Messerschmitt Me 410.
Aufgabenprofil: Die Kernaufgabe der Fernaufklärer-Gruppe 123 war die Überwachung der alliierten Geleitzugrouten und die Aufklärung der Invasionshäfen in Südengland. Die Besatzungen führten hochriskante Bildflüge durch, um Veränderungen im Schiffsraum und neue Verteidigungsanlagen zu dokumentieren. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Wettererkundung über dem Atlantik, die für die Planung von Marine- und Luftwaffenoperationen grundlegend war.
Das Schicksal bei Kriegsende: Mit der alliierten Landung in der Normandie 1944 und dem Verlust der französischen Stützpunkte wurde die Gruppe nach Deutschland zurückgezogen. In der Endphase des Krieges am 08.05.1945 war die Gruppe faktisch aufgelöst, wobei die verbliebenen Maschinen und Besatzungen in andere Aufklärungseinheiten eingegliedert oder zur Reichsverteidigung herangezogen worden waren. Die wertvollen Bildarchive der Gruppe wurden teilweise vor der Kapitulation vernichtet.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Einweisung von U-Boot-Rudeln: Die Fernaufklärer-Gruppe 123 war maßgeblich daran beteiligt, feindliche Geleitzüge im Ostatlantik und in der Biskaya aufzuspüren. Die Sichtmeldungen der Gruppe wurden über den Fliegerführer Atlantik unmittelbar an den Befehlshaber der Unterseeboote (B.d.U.) weitergegeben, der daraufhin die Aufstellung der U-Boot-Sperren koordinierte.
Überwachung der Stützpunkt-Zufahrten: Die Aufklärungsergebnisse über britische Flottenbewegungen im Ärmelkanal ermöglichten es der U-Boot-Führung, sicherere Routen für die Überführung von Booten zwischen den Werften und den Frontflottillen in der Biskaya zu planen.
Wetterdaten für den U-Boot-Krieg: Da die U-Boote auf See nur begrenzte Möglichkeiten zur Wetterbeobachtung hatten, waren die meteorologischen Daten der Fernaufklärer-Gruppe 123 entscheidend für die Planung von Angriffen und die Einschätzung der Seeausdauer der Boote in stürmischen Perioden.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RL 10 Akten der Verbände der Luftwaffe (Dokumentiert die Kriegstagebücher und die personelle Struktur der Fernaufklärer-Gruppe 123).
B.Arch. RM 7 / 2333 Unterlagen der Seekriegsleitung zum Westraum (Belegt die enge operative Zusammenarbeit zwischen Luftaufklärung und U-Boot-Führung).
B.Arch. RL 2-III Unterlagen des Generalquartiermeisters der Luftwaffe (Enthält Berichte über die materielle Ausstattung und Verluste der Gruppe).
Literaturverweise
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Luftwaffenunterstützung im Seekrieg).
Dierich, Wolfgang Die Verbände der Luftwaffe 1935–1945. (Systematische Übersicht der Einsatzgeschichte der Aufklärungsgruppen).
Tessin, Georg Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. (Band 6, zu den Luftwaffeneinheiten im Westen).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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