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Heinz Hirsacker: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| 05.12.1937 - 26.05.1938 || colspan="3" | [[Zur Verfügung]] [[2. U-Flottille SALTZWEDEL|U-Flottille Saltzwedel]], Wilhelmshaven bzw. [[3. U-Flottille LOHS|U-Flottille Lohs]] bzw. [[7. U-Flottille WEGENER|U-Flottille Wegener]], Kiel.  
 
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| 01.11.1938 - 05.02.1939 || colspan="3" | [[Adjutant]] in der [[7. U-Flottille WEGENER|U-Flottille Wegener]].
 
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| 06.02.1939 - 18.02.1939 || colspan="3" | Lehrgang für Signaloffiziere an der [[Nachrichtenschule]], Flensburg-Mürwik.
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| 13.04.1940 || colspan="3" | Verlust seines Bootes [[U 64]] im Herjangsfjord bei Narvik. Gerettet durch deutsche Gebirgsjäger.  
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| || Das Boot wurde im Herjangsfjord bei Narvik, durch Fliegerbomben der [[Fairey Swordfish]] L 9767 (Frederick-Charles Rice) der FAA Squadron 700 des britischen Schlachtschiffes [[HMS Warspite (03)]] (Capt. Victor-Alexander Crutchley) versenkt. Gerettet durch deutsche Gebirgsjäger.  
 
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| 00.04.1940 - 10.06.1940 || colspan="3" | [[Baubelehrung]] für [[U 124]] bei [[U-Boote Nordsee]], Bremen.
 
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! colspan="3" | '''Umstände der Selbsttötung von Heinz Hirsacker'''
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| colspan="3" | Psychischer Verfall und verweigerte Versetzung
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| colspan="3" | Der Fall Hirsacker gilt als einer der am besten dokumentierten Fälle von „Angstneurosen“ innerhalb der U-Boot-Waffe, die von der Führung jedoch nicht als medizinischer Notfall, sondern als moralisches Versagen gewertet wurden. Bereits bei seinen frühen Unternehmungen bildeten sich massive Angstzustände gegen U-Boote, eine sogenannte „Tauchantizipation“. Hirsacker entwickelte eine panische Angst vor der Tiefe und dem Eingeschlossensein. Er versuchte mehrmals, seine Vorgesetzten zu einer Versetzung zu bewegen, doch aufgrund des Mangels an Kommandanten wurde dies stets abgelehnt. Aus Angst, seine Karriere zu gefährden, verschwieg er den wahren Grund seiner Gesuche, was ihn in eine psychische Sackgasse trieb.
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| colspan="3" | Erfolglose Unternehmungen und taktische Ausflüchte
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| colspan="3" | In der Folge ließ er seine ersten beiden Unternehmungen als Kommandant erfolglos verstreichen. Auf den Fahrten traten oft merkwürdige Zwischenfälle auf: Der Kontakt zu Geleitzügen riss ab und das Boot kehrte wegen angeblicher Motorprobleme vorzeitig zurück. Diese Defekte waren oft psychosomatisch bedingte Fehlbedienungen oder übervorsichtige Interpretationen kleinster Unregelmäßigkeiten, um Tauchvorgänge zu vermeiden. Nicht wissend von seiner Phobie, nahm die U-Boot-Führung zunehmend an, dass er sich aus Feigheit vor dem Feind zurückzog und die Unternehmungen absichtlich sabotierte.
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| colspan="3" | Das Gibraltar-Debakel und kurzzeitige Erfolge
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| colspan="3" | Auf seiner 3. Unternehmung schaffte er es nicht, durch die Straße von Gibraltar in das Mittelmeer zu gelangen. Er brach ab und verlangte ein neues Operationsgebiet. Nach der Rückkehr wurde er von seinen Vorgesetzten scharf angegriffen; es fehle ihm an Energie und Entschlossenheit. Auf seiner 4. Unternehmung schien es kurzzeitig besser zu werden, als er zwei Schiffe mit 9.532 BRT versenkte und ein drittes beschädigte. Doch das neue Selbstbewusstsein hielt nicht lange an; bei weiteren Geleitzügen verlor er schnell wieder den Kontakt.
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| colspan="3" | KTB-Fälschung und die Rolle der Besatzung
 
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| colspan="3" | Bei seinen vorangegangenen U-Boot-Unternehmungen bildeten sich bei Hirsacker Angstzustände gegen U-Boote. Er Versuchte mehrmals seine Vorgesetzten dazu zu bringen die U-Boot-Flotte zu verlassen. Doch aus Mangel an gut Ausgebildeten U-Boot-Kommandanten, wurde das stets abgelehnt. Aus Angst seine Karriere zu gefährden, konnte er seinen Vorgesetzten den wahren Grund seiner Versetzungsgesuche nicht beibringen. So entschloss er sich wohl einen anderen Weg einzuschlagen. Seine ersten beiden Unternehmungen als Kommandant ließ er Erfolglos verstreichen. Auf den Fahrten traten oft merkwürdige Zwischenfälle auf, der Kontakt zu Geleitzügen oder gesichteten Schiffen brach sehr oft ab, das Boot hatte oft Motorprobleme und kehrte oft vorzeitig in den Stützpunkt zurück. Nicht wissend von Hirsackers Phobie, nahm die U-Bootführung immer öfter an das er sich aus Feigheit vor dem Feind zurückzog und absichtlich die Unternehmungen Sabotierte.  
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| colspan="3" | Auf seiner 6. Unternehmung erreichte der Verfall seinen Höhepunkt: Hirsacker fälschte das Kriegstagebuch (KTB) und verbrachte die meiste Zeit unter Wasser in sicheren, aber einsatzfernen Gebieten, um jedem Risiko aus dem Weg zu gehen. Dass der Kommandant fiktive Positionen eintrug, blieb dem I. Wachoffizier und dem Leitenden Ingenieur nicht verborgen. Der I. WO sah sich in einer unlösbaren Loyalitätsfalle und meldete den Vorfall nach der Rückkehr am 18.12.1942. Dies war Hirsackers Ende als Kommandant; er wurde entbunden und diente vorübergehend auf Zerstörern, während die Ermittlungen wegen Feigheit (§ 84, 85 MStGB) weiterliefen.
 
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| colspan="3" | Auf der 3. Unternehmung schaffte er es nicht durch die Straße von Gibraltar in das Mittelmeer zu gelangen. Er brach das Unternehmen ab, und verlangte danach ein neues Operationsgebiet. Nach der Rückkehr in den Stützpunkt, wurde Hirsacker von seinen Vorgesetzten stark angegriffen, es fehle ihm an der notwendigen Energie, Entschlossenheit und der absolute Wille zum Erfolg. Sein Versuch durch die Gibraltarstraße zu gelangen sei mit wenig Elan durchgeführt und ein Grund für den Abbruch sei nicht zu erkennen gewesen. Auf seiner 4. Unternehmung schien es dann endlich besser zu werden, er Versenkte 2 Schiffe mit 9.532 BRT und beschädigte ein drittes mit 6.207 BRT.  Er entdeckte mehrere Geleitzüge, aber der Kontakt ging schnell verloren. Doch das neue Selbstbewusstsein sollte nicht lange anhalten. 
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| colspan="3" | Auf seiner 6. Unternehmung fälschte er das KTB und verbrachte die meiste Zeit der Unternehmung unter Wasser. Nach der Rückkehr in den Stützpunkt, beschwerte sich einer seiner Offiziere über Hirsacker. So wurde er am 18.12.1942 von seinem Kommando entbunden. Bis April 1943 diente er nun auf Zerstörern. Doch die Ermittlungen gegen Ihn liefen weiter. Die Vorwürfe er habe gegen den Paragraphen 84 und 85 (Feigheit in Anwesenheit des Feindes) verstoßen, erhärteten sich. Über die Verhandlung, die in Paris stattfand, ist fast nichts bekannt. Er wurde schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Nachdem alle Gnadengesuche abgelehnt wurden, nahm er sich kurz vor dem Hinrichtungstermin, am 24.04.1943, durch einen Pistolenschuss, das Leben.
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| colspan="3" | Das Verfahren in Paris und der Freitod
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| colspan="3" | Die Verhandlung fand im Hotel Lutetia in Paris statt. Hirsacker wirkte gebrochen und teilnahmslos. Sein Verteidiger versuchte vergeblich, auf „nervliche Zerrüttung“ zu plädieren, doch das Gericht folgte der harten Linie von Dönitz, der ein Exempel zur Abschreckung statuieren wollte. Hirsacker wurde zum Tode verurteilt. Er verbrachte seine letzten Wochen im Gefängnis Cherche-Midi. Nachdem alle Gnadengesuche abgelehnt worden waren, nahm er sich am 24.04.1943 durch einen Pistolenschuss in seiner Zelle das Leben – nur Stunden vor dem geplanten Hinrichtungstermin.
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| colspan="3" | Personalhistorische Bedeutung
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| colspan="3" | Intern wurde der Fall lange Zeit verschwiegen; in Verlustlisten wurde er oft nur als „verstorben“ geführt. Erst nach dem Krieg machten Historiker wie Timothy P. Mulligan deutlich, dass Hirsacker kein Verräter, sondern ein Opfer eines militärischen Systems war, das psychische Verwundungen nicht anerkannte und menschliches Leid als mangelnden Offensivgeist stigmatisierte.
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
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| BArch PERS 6 || colspan="3" | Die Personalakten-Sammlung. Dies ist die Quelle für einzelne Personen. Hier liegen die Akten alphabetisch geordnet. Jede Ernennung zum Kommandanten,  basiert rechtlich auf einem Dokument in diesem Bestand.
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| BArch RM 7 / 843 ff. || colspan="3" | Stellenbesetzungslisten. In den Akten der Seekriegsleitung (Skl) wurden regelmäßig Listen geführt, welcher Offizier auf welcher Position (Kommandant, I. W.O., L.I.) saß. Dies diente der personellen Übersicht für den B.d.U.
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| BArch RHD 18  || colspan="3" | Neben den Akten gibt es die gedruckten Ranglisten der Deutschen Kriegsmarine (Bestand BArch RHD 18). Hier sind die Offiziere nach ihren Crews und ihrem Dienstalter sortiert. Dies ist die beste Quelle, um das Beförderungsdatum zu verifizieren.
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| BArch PERS 6 / 10228  || colspan="3" | Personalakten von Heinz Hirsacker. Diese enthalten die detaillierten Beurteilungen der Vorgesetzten sowie Vermerke zum Gerichtsverfahren und seinem Ableben.
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| BArch RM 98 / 384  || colspan="3" | Kriegstagebücher von U 572. Hier lassen sich die fraglichen Unternehmungen und die (später als gefälscht entlarvten) Einträge sowie die Rekonstruktionen der tatsächlichen Kurse nachvollziehen.
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| BArch RM 7 / 843  || colspan="3" | Akten der Seekriegsleitung (Skl). Enthält Berichte über Disziplinarstrafen und Todesurteile zur Aufrechterhaltung der Mannszucht in der U-Boot-Waffe 1943.
 
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| Walter Lohmann/Hans H. Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945" - Podzun Verlag 1956 - ohne ISBN - Abschnitt 292 - S. 101. [https://www.amazon.de/Die-Deutsche-Kriegsmarine-1939-1945/dp/B00L5FBA62/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=YAFFI19MIZGV&keywords=Lohmann%2FHildebrand+Die+deutsche+Kriegsmarine+1939+-+1945&qid=1691417745&sprefix=lohmann%2Fhildebrand+die+deutsche+kriegsmarine+1939+-+1945%2Caps%2C103&sr=8-1 | → Amazon]
 
| Walter Lohmann/Hans H. Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945" - Podzun Verlag 1956 - ohne ISBN - Abschnitt 292 - S. 101. [https://www.amazon.de/Die-Deutsche-Kriegsmarine-1939-1945/dp/B00L5FBA62/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=YAFFI19MIZGV&keywords=Lohmann%2FHildebrand+Die+deutsche+Kriegsmarine+1939+-+1945&qid=1691417745&sprefix=lohmann%2Fhildebrand+die+deutsche+kriegsmarine+1939+-+1945%2Caps%2C103&sr=8-1 | → Amazon]
 
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| || colspan="3" | "Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reiches" - Verlag Leipzig u. Wien Bibliographisches Institut 1912 - 1935. [https://www.zvab.com/servlet/SearchResults?kn=Meyers%20Orts%20und%20Verkehrs%20Lexikon&sts=t&cm_sp=SearchF-_-topnav-_-Results | → ZVAB - Antiquariat]
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| Timothy P. Mulligan || colspan="3" | "Neither Sharks nor Wolves: The Men of the German U-boat Arm 1939–1945". Dieses Werk enthält die wohl tiefgreifendste Analyse des Falls Hirsacker im Hinblick auf die psychischen Belastungen der Kommandanten.
 
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| Günter Gribbohm || colspan="3" | "Das Reichskriegsgericht – Die Institution und ihre Rechtsprechung". Hier wird die rechtliche Handhabung der Paragraphen zur „Feigheit vor dem Feind“ und das Urteil von Paris wissenschaftlich eingeordnet.
 
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| Dr. Erich Uetrecht || colspan="3" | "Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reiches" - Verlag Leipzig u. Wien Bibliographisches Institut 1912 - 1935. [https://www.zvab.com/?cm_sp=TopNav-_-SB-_-Logo | → ZVAB - Antiquariat]
 
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[[Friedrich von Hippel]] ← Heinz Hirsacker → [[Fritz Hoeckner]]
 
[[Friedrich von Hippel]] ← Heinz Hirsacker → [[Fritz Hoeckner]]

Aktuelle Version vom 18. Februar 2026, 12:10 Uhr

Friedrich von Hippel ← Heinz Hirsacker → Fritz Hoeckner

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Datenblatt: Heinz Karl Hirsacker
Geburtsdatum: 14.08.1914
Geburtsort: Freie und Hansestadt Lübeck
Geburtsort Lage - Damals: Stadtstaat - Eigenständiger Gliederstaat des Deutschen Kaiserreiches
Geburtsort Lage - Heute: Kreisfreie Stadt - Bundesland Schleswig-Holstein
Todesdatum: 24.04.1943
Todesort: Kiel
Todesort - Damals: Kreisfreie Stadt - Regierungsbezirk Schleswig - Preußischen Provinz Schleswig-Holstein - Hauptstadt des Gau Schleswig-Holstein
Todesort - Heute: Kreisfreie Stadt - Landeshauptstadt - Bundesland Schleswig-Holstein
Todesursache: Freitod
Dienstgrade
26.09.1934 Seekadett (Ernennung)
01.07.1935 Fähnrich zur See
01.01.1937 Oberfähnrich zur See
01.04.1937 Leutnant zur See
01.04.1939 Oberleutnant zur See
01.09.1941 Kapitänleutnant mit Rangdienstalter vom 01.09.1941 (-12-)
Orden und Auszeichnungen
00.04.1938 Dienstauszeichnung IV. Klasse
06.06.1939 Deutsche Spanien-Kreuz in Bronze mit Schwertern
25.09.1940 Eiserne Kreuz 2. Klasse
30.11.1941 U-Bootskriegsabzeichen 1939
Militärischer Werdegang
08.04.1934 Eintritt in die Reichsmarine als Seeoffiziersanwärter. Crew 34.
08.04.1934 - 14.06.1934 Infanteristische Grundausbildung bei der II. Schiffsstammabteilung der Ostsee, Stralsund.
15.06.1934 - 26.09.1934 Bordausbildung auf dem Segelschulschiff Gorch Fock.
27.09.1934 - 26.06.1935 Bordausbildung auf dem Leichten Kreuzer Emden.
27.06.1935 - 30.03.1936 Hauptlehrgang für Fähnriche mit anschließender Offiziershauptprüfung an der Marineschule, Flensburg-Mürwik.
31.03.1936 - 30.09.1936 Fähnrichslehrgänge.
01.10.1936 - 18.05.1937 Nicht ermittelt.
19.05.1937 - 21.05.1937 Sperrlehrgang für U-Wachoffiziere an der Sperrschule, Kiel-Wik.
22.05.1937 - 30.06.1937 U-Abwehrlehrgang an der U-Abwehrschule, Neustadt.
01.07.1937 - 04.10.1937 II. Wachoffizier auf U 36 (VII A) unter Klaus Ewerth. 1 Unternehmung:
08.07.1937 - 28.08.1937 - Tauch- und Geleitübungen vor Spanien.
05.10.1937 - 04.12.1937 Torpedolehrgang für U-Wachoffiziere an der Torpedoschule, Flensburg-Mürwik.
05.12.1937 - 26.05.1938 Zur Verfügung U-Flottille Saltzwedel, Wilhelmshaven bzw. U-Flottille Lohs bzw. U-Flottille Wegener, Kiel.
27.05.1938 - 11.06.1938 Torpedo-B-Lehrgang an der Torpedoschule, Flensburg-Mürwik.
13.06.1938 - 02.07.1938 Torpedo-Zusatzlehrgang für U-Wachoffiziere an der Torpedoschule, Flensburg-Mürwik.
03.07.1938 - 31.10.1938 Flaggleutnant beim Stabe der U-Flottille Lohs, Kiel.
01.11.1938 - 05.02.1939 Adjutant in der U-Flottille Wegener.
06.02.1939 - 18.02.1939 Lehrgang für Signaloffiziere an der Nachrichtenschule, Flensburg-Mürwik.
13.06.1939 - 30.09.1939 Zur Verfügung der U-Flottille Wegener, Kiel.
01.10.1939 - 06.11.1939 Zur Verfügung der U-Flottille Saltzwedel, Wilhelmshaven.
07.11.1939 - 15.12.1939 Baubelehrung für U 64 bei U-Boote Nordsee, Bremen.
16.12.1939 - 13.04.1940 I. Wachoffizier auf U 64 (IX B) unter Georg-Wilhelm Schulz. 1 Unternehmung:
06.04.1940 - 13.04.1940 - Nordsee, Westfjord, vor Narvik (Unternehmen Weserübung).
13.04.1940 Verlust seines Bootes U 64 im Herjangsfjord bei Narvik.
Das Boot wurde im Herjangsfjord bei Narvik, durch Fliegerbomben der Fairey Swordfish L 9767 (Frederick-Charles Rice) der FAA Squadron 700 des britischen Schlachtschiffes HMS Warspite (03) (Capt. Victor-Alexander Crutchley) versenkt. Gerettet durch deutsche Gebirgsjäger.
00.04.1940 - 10.06.1940 Baubelehrung für U 124 bei U-Boote Nordsee, Bremen.
11.06.1940 - 18.08.1940 I. Wachoffizier auf U 124 (IX B) unter Georg-Wilhelm Schulz. (Ausbildung und Erprobung).
19.08.1940 - 00.05.1941 Nicht ermittelt.
00.05.1941 - 28.05.1941 Baubelehrung für U 572 bei der Kriegsschiffbaulehrabteilung U-Nordsee, Bremen.
29.05.1941 - 18.12.1942 Kommandant von U 572 (VII C). 6 Unternehmungen:
02.09.1941 - 02.10.1941 - Nordatlantik, südwestlich Island und südöstlich Kap Farewell.
30.10.1941 - 29.11.1941 - Nordatlantik, östlich der Neufundlandbank, westlich Spanien.
07.01.1942 - 10.02.1942 - Nordatlantik, zwischen Gibraltar und den Azoren.
14.03.1942 - 14.05.1942 - Nordatlantik, Ostküste der USA. 2 Schiffe ↓ 9.532 BRT. 1 Schiff ≈ 6.207 BRT.
30.06.1942 - 03.09.1942 - Mittelatlantik, vor Freetown. 1 Schiff ↓5.281 BRT.
12.10.1942 - 22.11.1942 - Mittelatlantik, vor Marokko.
18.12.1942 - 03.01.1943 Nicht ermittelt.
04.01.1943 - 11.01.1943 1. Offizier auf Zerstörer Z 10 Hans Lody in der 4. Zerstörerflottille.
12.01.1943 - 00.01.1943 1. Offizier auf Zerstörer Z 33 in der 6. Zerstörerflottille.
00.01.1943 - 24.04.1943 Zur Verfügung beim Führer der Zerstörer.
24.04.1943 Freitod.
Der Fall Heinz Hirsacker
Psychischer Verfall und verweigerte Versetzung
Der Fall Hirsacker gilt als einer der am besten dokumentierten Fälle von „Angstneurosen“ innerhalb der U-Boot-Waffe, die von der Führung jedoch nicht als medizinischer Notfall, sondern als moralisches Versagen gewertet wurden. Bereits bei seinen frühen Unternehmungen bildeten sich massive Angstzustände gegen U-Boote, eine sogenannte „Tauchantizipation“. Hirsacker entwickelte eine panische Angst vor der Tiefe und dem Eingeschlossensein. Er versuchte mehrmals, seine Vorgesetzten zu einer Versetzung zu bewegen, doch aufgrund des Mangels an Kommandanten wurde dies stets abgelehnt. Aus Angst, seine Karriere zu gefährden, verschwieg er den wahren Grund seiner Gesuche, was ihn in eine psychische Sackgasse trieb.
Erfolglose Unternehmungen und taktische Ausflüchte
In der Folge ließ er seine ersten beiden Unternehmungen als Kommandant erfolglos verstreichen. Auf den Fahrten traten oft merkwürdige Zwischenfälle auf: Der Kontakt zu Geleitzügen riss ab und das Boot kehrte wegen angeblicher Motorprobleme vorzeitig zurück. Diese Defekte waren oft psychosomatisch bedingte Fehlbedienungen oder übervorsichtige Interpretationen kleinster Unregelmäßigkeiten, um Tauchvorgänge zu vermeiden. Nicht wissend von seiner Phobie, nahm die U-Boot-Führung zunehmend an, dass er sich aus Feigheit vor dem Feind zurückzog und die Unternehmungen absichtlich sabotierte.
Das Gibraltar-Debakel und kurzzeitige Erfolge
Auf seiner 3. Unternehmung schaffte er es nicht, durch die Straße von Gibraltar in das Mittelmeer zu gelangen. Er brach ab und verlangte ein neues Operationsgebiet. Nach der Rückkehr wurde er von seinen Vorgesetzten scharf angegriffen; es fehle ihm an Energie und Entschlossenheit. Auf seiner 4. Unternehmung schien es kurzzeitig besser zu werden, als er zwei Schiffe mit 9.532 BRT versenkte und ein drittes beschädigte. Doch das neue Selbstbewusstsein hielt nicht lange an; bei weiteren Geleitzügen verlor er schnell wieder den Kontakt.
KTB-Fälschung und die Rolle der Besatzung
Auf seiner 6. Unternehmung erreichte der Verfall seinen Höhepunkt: Hirsacker fälschte das Kriegstagebuch (KTB) und verbrachte die meiste Zeit unter Wasser in sicheren, aber einsatzfernen Gebieten, um jedem Risiko aus dem Weg zu gehen. Dass der Kommandant fiktive Positionen eintrug, blieb dem I. Wachoffizier und dem Leitenden Ingenieur nicht verborgen. Der I. WO sah sich in einer unlösbaren Loyalitätsfalle und meldete den Vorfall nach der Rückkehr am 18.12.1942. Dies war Hirsackers Ende als Kommandant; er wurde entbunden und diente vorübergehend auf Zerstörern, während die Ermittlungen wegen Feigheit (§ 84, 85 MStGB) weiterliefen.
Das Verfahren in Paris und der Freitod
Die Verhandlung fand im Hotel Lutetia in Paris statt. Hirsacker wirkte gebrochen und teilnahmslos. Sein Verteidiger versuchte vergeblich, auf „nervliche Zerrüttung“ zu plädieren, doch das Gericht folgte der harten Linie von Dönitz, der ein Exempel zur Abschreckung statuieren wollte. Hirsacker wurde zum Tode verurteilt. Er verbrachte seine letzten Wochen im Gefängnis Cherche-Midi. Nachdem alle Gnadengesuche abgelehnt worden waren, nahm er sich am 24.04.1943 durch einen Pistolenschuss in seiner Zelle das Leben – nur Stunden vor dem geplanten Hinrichtungstermin.
Personalhistorische Bedeutung
Intern wurde der Fall lange Zeit verschwiegen; in Verlustlisten wurde er oft nur als „verstorben“ geführt. Erst nach dem Krieg machten Historiker wie Timothy P. Mulligan deutlich, dass Hirsacker kein Verräter, sondern ein Opfer eines militärischen Systems war, das psychische Verwundungen nicht anerkannte und menschliches Leid als mangelnden Offensivgeist stigmatisierte.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch PERS 6 Die Personalakten-Sammlung. Dies ist die Quelle für einzelne Personen. Hier liegen die Akten alphabetisch geordnet. Jede Ernennung zum Kommandanten, basiert rechtlich auf einem Dokument in diesem Bestand.
BArch RM 7 / 843 ff. Stellenbesetzungslisten. In den Akten der Seekriegsleitung (Skl) wurden regelmäßig Listen geführt, welcher Offizier auf welcher Position (Kommandant, I. W.O., L.I.) saß. Dies diente der personellen Übersicht für den B.d.U.
BArch RHD 18 Neben den Akten gibt es die gedruckten Ranglisten der Deutschen Kriegsmarine (Bestand BArch RHD 18). Hier sind die Offiziere nach ihren Crews und ihrem Dienstalter sortiert. Dies ist die beste Quelle, um das Beförderungsdatum zu verifizieren.
BArch PERS 6 / 10228 Personalakten von Heinz Hirsacker. Diese enthalten die detaillierten Beurteilungen der Vorgesetzten sowie Vermerke zum Gerichtsverfahren und seinem Ableben.
BArch RM 98 / 384 Kriegstagebücher von U 572. Hier lassen sich die fraglichen Unternehmungen und die (später als gefälscht entlarvten) Einträge sowie die Rekonstruktionen der tatsächlichen Kurse nachvollziehen.
BArch RM 7 / 843 Akten der Seekriegsleitung (Skl). Enthält Berichte über Disziplinarstrafen und Todesurteile zur Aufrechterhaltung der Mannszucht in der U-Boot-Waffe 1943.
Literaturverweise
Rainer Busch/Hans Joachim Röll "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - Die deutschen U-Boot-Kommandanten" - Mittler Verlag 1996 - S. 103. | → Amazon
Walter Lohmann/Hans H. Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945" - Podzun Verlag 1956 - ohne ISBN - Abschnitt 292 - S. 101. | → Amazon
Timothy P. Mulligan "Neither Sharks nor Wolves: The Men of the German U-boat Arm 1939–1945". Dieses Werk enthält die wohl tiefgreifendste Analyse des Falls Hirsacker im Hinblick auf die psychischen Belastungen der Kommandanten.
Günter Gribbohm "Das Reichskriegsgericht – Die Institution und ihre Rechtsprechung". Hier wird die rechtliche Handhabung der Paragraphen zur „Feigheit vor dem Feind“ und das Urteil von Paris wissenschaftlich eingeordnet.
Dr. Erich Uetrecht "Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reiches" - Verlag Leipzig u. Wien Bibliographisches Institut 1912 - 1935. | → ZVAB - Antiquariat
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