Aktionen

Handelsschiffsoffizier H.S.O.: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

(Die Seite wurde neu angelegt: „{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center" |- | || colspan="3" | {| class="wikitable…“)
 
 
Zeile 1: Zeile 1:
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center"
+
{| style="background-color:#FFFFE0; border:3px double black; width:100%; table-layout:fixed; border-collapse:separate; padding:10px; font-weight:normal;"
 +
 
 
|-
 
|-
| || colspan="3" |
+
|
 +
{| class="wikitable" style="width:100%; table-layout:fixed; background-color:#FFFFE0; font-weight:normal;"
  
{| class="wikitable"
 
 
|-
 
|-
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:75%" |
 
| style="width:75%" |
 
|-
 
|-
! Datenblatt
+
! Dienststellung
! '''Handelsschiffsoffizier H.S.O.'''
+
! '''Handelsschiffsoffizier (H.S.O.)'''
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Die Kennzeichnung H.S.O. (Handelsschiffsoffizier) bei einem Kommandanten ein entscheidender Hinweis auf dessen fliegerische und nautische Professionalität. Es handelt sich um Offiziere der Handelsmarine, die als Offiziersanwärter der Reserve in die Kriegsmarine übernommen wurden.
+
 
 +
| colspan="3" | Die Kennzeichnung H.S.O. (Handelsschiffsoffizier) bei einem Kommandanten war ein entscheidender Hinweis auf dessen nautische Professionalität. Es handelte sich um Offiziere der Handelsmarine, die als Offiziersanwärter der Reserve in die Kriegsmarine übernommen wurden. Sie bildeten ein erfahrenes Rückgrat für die U-Boot-Waffe, da sie bereits vor ihrem Diensteintritt über umfassende Hochsee-Erfahrung verfügten.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Bedeutung und Funktion
+
! colspan="3" | Entstehung, Funktion und Aufgaben
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
 +
| Entstehung: || colspan="3" | Massiver Ausbau des Programms ab 1940/41, als der Bedarf an Kommandanten die Kapazitäten der regulären Offiziersjahrgänge (Crews) überstieg.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Ein H.S.O. war ein erfahrener Seemann, der bereits vor seinem Diensteintritt in der Kriegsmarine ein Patent für die große Fahrt (z. B. A6) besaß oder kurz davor stand.
+
 
 +
| Fachliche Expertise: || colspan="3" | Navigationsspezialisten mit Patent für Große Fahrt (z. B. A6). Exzellente Beherrschung der astronomischen Navigation und des Schiffsverhaltens bei schwerer See.
 
|-
 
|-
| ||
+
 
 +
| Verwendung: || colspan="3" | Bevorzugter Einsatz als Wachoffiziere und später als Kommandanten. Aufgrund ihrer zivilen Vorbildung besaßen sie ein intuitives Verständnis für das Manövrierverhalten potenzieller Handelsziele.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Fachliche Expertise: H.S.O.s waren Navigationsspezialisten. Sie beherrschten die astronomische Navigation und das Verhalten in schwierigem Wetter oft besser als junge Seeoffiziere, die nur die Marineschule durchlaufen hatten.
+
 
 +
| Status: || colspan="3" | Führung des Zusatzes "d. R." (der Reserve) hinter dem Dienstgrad. Sie galten als Männer, die "mit dem Meer gewachsen" waren.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Verwendung: In der U-Boot-Waffe wurden sie bevorzugt als Wachoffiziere und später als Kommandanten eingesetzt, da sie „mit dem Meer gewachsen“ waren.
+
! colspan="3" | Die militärische Ausbildung
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Die Reserve-Laufbahn: Sie führten in der Regel den Zusatz d. R. (der Reserve) hinter ihrem Dienstgrad (z. B. Kapitänleutnant d. R.).
+
 
 +
| Schnelldurchlauf: || colspan="3" | Stark verkürzte Ausbildung (ca. 6 bis 9 Monate), da nautische Grundlagen bereits vorhanden waren. Fokus rein auf die militärische Führung und Waffenkunde.
 
|-
 
|-
| ||
+
 
 +
| Grundausbildung: || colspan="3" | Vermittlung von Infanteriedienst und Disziplin, meist bei einer Schiffsstammabteilung (z. B. II. S.S.A. Stralsund).
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Entstehung
+
 
 +
| Fachlehrgänge: || colspan="3" | Kurzlehrgänge an Marineschulen (Taktik, Signaldienst). Oft zusätzliche Beobachterlehrgänge bei der Luftwaffe aufgrund ihrer Navigationssicherheit.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Entstehung: Das Programm zur Übernahme von H.S.O.s wurde massiv ausgebaut, als der Bedarf an U-Boot-Kommandanten ab 1940 die Kapazitäten der regulären Offiziersjahrgänge (Crews) überstieg.
+
! colspan="3" | Die U-Boot-Spezialisierung
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Die Ausbildung
+
 
 +
| U-Lehrgang: || colspan="3" | Besuch technischer und taktischer Lehrgänge an den Lehrdivisionen (z. B. [[1. U.L.D.]] Neustadt).
 
|-
 
|-
| ||
+
 
 +
| Frontpraktikum: || colspan="3" | Einsatz als II. Wachoffizier (II. W.O.) auf einem Frontboot zur praktischen Bewährung unter Feindeinwirkung.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Die Ausbildung der Handelsschiffsoffiziere (H.S.O.) deshalb so interessant, weil sie im Vergleich zum regulären Crew-Nachwuchs stark verkürzt und rein auf die militärische Führung fokussiert war. Da diese Männer bereits erfahrene Seeleute waren, musste man ihnen nicht mehr beibringen, wie man navigiert, sondern wie man kämpft.
+
 
 +
| Patent-Erwerb: || colspan="3" | Ausbildung an der [[24. U-Flottille]] (Danzig) im Kommandanten-Schießlehrgang als finale Qualifikation für ein eigenes Kommando.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Entstehung und Funktion der H.S.O.-Lehrgänge
+
! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Die gezielte Ausbildung von H.S.O.s wurde massiv ab 1940/41 ausgebaut, um den Kommandantenbedarf für die U-Boote zu decken.
+
 
 +
| Taktischer Vorteil: || colspan="3" | H.S.O.s kannten die Beladung und Schwachstellen von Handelsschiffen aus eigener Erfahrung. Dies ermöglichte eine präzisere Torpedoplatzierung und effektivere Angriffsplanung.
 
|-
 
|-
| ||
+
 
|-
+
| Wetterfestigkeit: || colspan="3" | Ihre Routine im Umgang mit extremen Wetterlagen im Nordatlantik machte sie zu besonders belastbaren Führungsfiguren während langer Unternehmungen.
| colspan="3" | Der "Schnelldurchlauf": Während ein regulärer Seeoffiziersanwärter jahrelange Ausbildung (Mürwik, Schulschiffe) durchlief, wurden H.S.O.s in oft nur 6 bis 9 Monaten „marinitiert“.
 
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Militärische Grundausbildung: Da sie oft keine oder nur geringe militärische Vorkenntnisse hatten, begannen sie meist bei einer Schiffsstammabteilung (z. B. der II. S.S.A. Stralsund), um Infanteriedienst und militärische Disziplin zu lernen.
+
! colspan="3" | Quellenverweise - [https://invenio.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Fachlehrgänge: Es folgten Kurzlehrgänge an den Marineschulen (Waffenkunde, Signaldienst, Taktik). Viele H.S.O.s absolvierten zudem den Beobachterlehrgang der Luftwaffe, da ihre Navigationssicherheit dort besonders geschätzt wurde.
+
 
 +
| BArch RM 20 / 904 || colspan="3" | Personalbestimmungen für die Kriegsmarine (Bestimmungen über die Übernahme von Handelsschiffsoffizieren).
 
|-
 
|-
| ||
+
 
 +
| BArch RM 121 / 162 || colspan="3" | Dienstvorschriften über die fachliche Ausbildung der Reserveoffiziere der U-Boot-Waffe.
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Die U-Boot-Spezialisierung
+
 
 +
| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten von Kommandanten mit dem Vermerk H.S.O. (Dokumentation der verkürzten Ausbildungsweg).
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Nach der allgemeinen militärischen Einweisung folgte der Weg in die U-Boot-Waffe:
+
! colspan="3" | Literaturverweise
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | U-Lehrgang: Besuch der technischen und taktischen Lehrgänge (z. B. an der U.A.A. Neustadt).
+
 
 +
| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel zur Offiziersausbildung und Reserve-Laufbahnen).
 
|-
 
|-
| ||
+
 
 +
| Mulligan, Timothy P. || colspan="3" | "Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945" (Soziologische Analyse der H.S.O.-Laufbahn).
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Bordpraktikum: Einsatz als [[II. Wachoffizier]] (II. W.O.) auf einem Frontboot unter einem erfahrenen Kommandanten.
+
 
 +
| Hessler, Günter || colspan="3" | "The U-Boat War in the Atlantic" (Analyse der personellen Reserven und deren Effektivität).
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Kommandanten-Schießlehrgang: Nach Bewährung an Front folgte die Ausbildung an der 24. U-Flottille (Danzig), um das Patent zum U-Boot-Kommandanten zu erwerben.
+
 
|-
+
| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
| ||
 
|-
 
! colspan="3" | Ende
 
|-
 
| ||
 
|-
 
| colspan="3" | Diese Ausbildungsschiene endete im Winter 1944/45, als der Treibstoffmangel und die personelle Erschöpfung den Ausbildungsbetrieb der Flottillen in der Ostsee zum Erliegen brachten.
 
|-
 
| ||
 
|-
 
! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
|-
 
| ||
 
|-
 
| colspan="3" | H.S.O.s waren für Karl Dönitz ein Glücksfall. Ein Kommandant mit H.S.O.-Hintergrund brachte wertvolle Erfahrung mit potentiellen Zielen mit: Er wusste aus seiner zivilen Zeit genau, wie Handelsschiffe beladen sind, wie sie bei Nebel manövrieren und wo ihre schwächsten Stellen liegen.
 
|-
 
| ||
 
|-
 
| ||
 
|-
 
! colspan="3" | Quellenangabe
 
|-
 
| ||
 
|-
 
| Bundesarchiv Bestand RM 6 || colspan="3" | Oberkommando der Kriegsmarine (OKM). Enthält die Bestimmungen über die Übernahme von Handelsschiffsoffizieren in das aktive Dienstverhältnis oder die Reserveoffizierslaufbahn.
 
|-
 
| ||
 
 
|-
 
|-
 
! colspan="3" |
 
! colspan="3" |
 +
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
+
 
|-
+
| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
| ||
 
|-
 
| colspan="3" | >>>>U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki<<<<
 
|-
 
| || colspan="3" | '''<small>ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132</small>'''
 
 
|-
 
|-
 +
 +
|}
 
|}
 
|}

Aktuelle Version vom 19. Februar 2026, 13:18 Uhr

Dienststellung Handelsschiffsoffizier (H.S.O.)
Die Kennzeichnung H.S.O. (Handelsschiffsoffizier) bei einem Kommandanten war ein entscheidender Hinweis auf dessen nautische Professionalität. Es handelte sich um Offiziere der Handelsmarine, die als Offiziersanwärter der Reserve in die Kriegsmarine übernommen wurden. Sie bildeten ein erfahrenes Rückgrat für die U-Boot-Waffe, da sie bereits vor ihrem Diensteintritt über umfassende Hochsee-Erfahrung verfügten.
Entstehung, Funktion und Aufgaben
Entstehung: Massiver Ausbau des Programms ab 1940/41, als der Bedarf an Kommandanten die Kapazitäten der regulären Offiziersjahrgänge (Crews) überstieg.
Fachliche Expertise: Navigationsspezialisten mit Patent für Große Fahrt (z. B. A6). Exzellente Beherrschung der astronomischen Navigation und des Schiffsverhaltens bei schwerer See.
Verwendung: Bevorzugter Einsatz als Wachoffiziere und später als Kommandanten. Aufgrund ihrer zivilen Vorbildung besaßen sie ein intuitives Verständnis für das Manövrierverhalten potenzieller Handelsziele.
Status: Führung des Zusatzes "d. R." (der Reserve) hinter dem Dienstgrad. Sie galten als Männer, die "mit dem Meer gewachsen" waren.
Die militärische Ausbildung
Schnelldurchlauf: Stark verkürzte Ausbildung (ca. 6 bis 9 Monate), da nautische Grundlagen bereits vorhanden waren. Fokus rein auf die militärische Führung und Waffenkunde.
Grundausbildung: Vermittlung von Infanteriedienst und Disziplin, meist bei einer Schiffsstammabteilung (z. B. II. S.S.A. Stralsund).
Fachlehrgänge: Kurzlehrgänge an Marineschulen (Taktik, Signaldienst). Oft zusätzliche Beobachterlehrgänge bei der Luftwaffe aufgrund ihrer Navigationssicherheit.
Die U-Boot-Spezialisierung
U-Lehrgang: Besuch technischer und taktischer Lehrgänge an den Lehrdivisionen (z. B. 1. U.L.D. Neustadt).
Frontpraktikum: Einsatz als II. Wachoffizier (II. W.O.) auf einem Frontboot zur praktischen Bewährung unter Feindeinwirkung.
Patent-Erwerb: Ausbildung an der 24. U-Flottille (Danzig) im Kommandanten-Schießlehrgang als finale Qualifikation für ein eigenes Kommando.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Taktischer Vorteil: H.S.O.s kannten die Beladung und Schwachstellen von Handelsschiffen aus eigener Erfahrung. Dies ermöglichte eine präzisere Torpedoplatzierung und effektivere Angriffsplanung.
Wetterfestigkeit: Ihre Routine im Umgang mit extremen Wetterlagen im Nordatlantik machte sie zu besonders belastbaren Führungsfiguren während langer Unternehmungen.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 20 / 904 Personalbestimmungen für die Kriegsmarine (Bestimmungen über die Übernahme von Handelsschiffsoffizieren).
BArch RM 121 / 162 Dienstvorschriften über die fachliche Ausbildung der Reserveoffiziere der U-Boot-Waffe.
BArch PERS 6 Personalakten von Kommandanten mit dem Vermerk H.S.O. (Dokumentation der verkürzten Ausbildungsweg).
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel zur Offiziersausbildung und Reserve-Laufbahnen).
Mulligan, Timothy P. "Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945" (Soziologische Analyse der H.S.O.-Laufbahn).
Hessler, Günter "The U-Boat War in the Atlantic" (Analyse der personellen Reserven und deren Effektivität).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132