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Sperrlehrgang für Fähnriche

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Datenblatt Sperrlehrgang für Fähnriche
Der Sperrlehrgang für Fähnriche zur See befasste sich mit der Seekriegführung mittels Minen und anderen Sperrwaffen. Er war ein Pflichtbestandteil der Offiziersausbildung, da U-Boote der Kriegsmarine regelmäßig für Minenunternehmungen eingesetzt wurden.
Zielsetzung und Standorte
Das Ziel des Lehrgangs war die Vermittlung fundierter Kenntnisse über die Konstruktion, Handhabung und den taktischen Einsatz von Seeminen.
Hauptstandort: Die Ausbildung fand primär an der Sperrschule in Kiel-Wik statt.
Zuständigkeit: Die Inspektion des Sperrwaffensuchwesens überwachte die Lehrinhalte, um sicherzustellen, dass die künftigen Wachoffiziere Minenfelder sowohl legen als auch (theoretisch) umgehen konnten.
Lehrinhalte und Waffenkunde
Die Fähnriche wurden an den verschiedenen Minentypen geschult, die von U-Booten (insbesondere vom Typ VII C und spezialisierten Minenlegern) durch die Torpedorohre ausgestoßen wurden:
Minentypen: Handhabung der TMB (Torpedomine Bauart B) und TMC (Torpedomine Bauart C). Diese Magnetminen wurden wie Torpedos ausgestoßen, sanken aber auf den Grund.
Zündmechanismen: Studium der hochempfindlichen Magnet-, Akustik- und Druckzünder. Ein Schwerpunkt lag auf der Einstellung der Schärfungszeit und der Selbstentschärfungsmechanismen.
Sperrplanung: Berechnung von Minenabständen und Wurflinien, um eine effektive Sperre vor feindlichen Häfen oder in Schifffahrtswegen zu erzeugen.
Taktischer Einsatz auf U-Booten
Für U-Boot-Offiziere war dieser Lehrgang entscheidend für verdeckte Operationen:
Verdecktes Minenlegen: Die Fähnriche lernten, wie ein Boot vom Typ VII C unbemerkt in flache Küstengewässer eindringt, um dort Minensperren zu legen.
Gefahrenabwehr: Der Lehrgang vermittelte Wissen über gegnerische Minentypen und Räumverfahren, um das eigene Boot sicher durch feindliche Sperrgebiete zu navigieren (in enger Abstimmung mit den Kenntnissen aus der Navigations-Belehrungsfahrt).
Besonderheit Typ XXI: Obwohl der Typ XXI primär als Angriffs-U-Boot konzipiert war, blieb die Fähigkeit zum Minenausstoß über die sechs Bugrohre ein taktischer Bestandteil der Offiziersausbildung.
Bedeutung für das Bordleben
Nach Abschluss des Lehrgangs war der Offizier (oft als Zweiter Wachoffizier) für die korrekte Übernahme, Lagerung und Schärfung der Minen an Bord verantwortlich. Er führte das Sperrpersonal (Sperrgasten) und protokollierte die genauen Abwurfkoordinaten für das Kriegstagebuch.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Offensive Minenunternehmungen: Für spätere U-Boot-Kommandanten war dieses Wissen essenziell, da U-Boote häufig für verdeckte Minenunternehmungen (z. B. vor britischen Häfen) eingesetzt wurden.
Gefahrenabwehr: Das Verständnis für gegnerische Minensperren war überlebenswichtig für die Navigation beim Ein- und Auslaufen aus den Frontstützpunkten am Atlantik oder im Nordmeer.
Personalhistorische Einordnung: In den Stammrollen (BArch RM 121/642) markiert der Sperrlehrgang einen Teil der waffentechnischen Rundum-Ausbildung, bevor die finale Entscheidung über die Versetzung zur U-Boot-Waffe fiel.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 142 Lehrpläne und Prüfungsrichtlinien der Sperrwaffenschule Kiel für Offizierslehrgänge.
BArch RM 3 / 1024 Dienstvorschriften über die Handhabung von Sperrwaffen an Bord der Kriegsmarine (1939–1945).
BArch RM 121 / 642 Stammrollen mit Nachweisen über die Zuweisung der Fähnriche zur Sperrwaffenschule.
Literaturverweise
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. (Band III, Kapitel zur Organisation der Waffenschulen und Fachlehrgänge).
Gröner, Erich Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. (Band 3, zur technischen Entwicklung der Minen- und Räumgeräte).
Harnack, Wolfgang Die Verteidigung der Küsten. (Beschreibt die taktische Bedeutung des Minenkrieges und die Ausbildung des dafür verantwortlichen Personals).
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