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1. Artillerieoffizier

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Datenblatt 1. Artillerieoffizier
In der Hierarchie der Kriegsmarine war der 1. Artillerieoffizier (I AO) der verantwortliche Fachoffizier für die gesamte schwere Bewaffnung und Feuerleitung an Bord größerer Überwasserschiffe (Schlachtschiffe, Kreuzer, Zerstörer).
Aufgaben und Verantwortung
Feuerleitung: Er leitete den Einsatz der schweren Artillerie im Gefecht vom obersten Gefechtsstand aus.
Technik & Wartung: Er war verantwortlich für den technischen Zustand der Geschütze, der Richtgeräte und der Munitionskammern.
Ausbildung: Er koordinierte die Ausbildung des gesamten Artilleriepersonals (Geschützbedienungen, Entfernungsmesswesen).
Gefechtsrolle: Bei Schiffen mit mehreren AO-Posten war der I AO meist für die Hauptartillerie zuständig, während der II AO oft die Flak (Flugabwehr) übernahm.
Relevant für die U-Boot-Waffe
Obwohl es die Dienststellung des I AO auf U-Booten selbst nicht gab (dort übernahm der II. Wachoffizier diese Aufgaben), ist die Funktion aus zwei Gründen entscheidend:
Personalpool für Kommandanten: Viele spätere U-Boot-Kommandanten waren vor ihrem Wechsel zur U-Boot-Waffe als Artillerieoffiziere auf "Dickschiffen" tätig. Diese Offiziere brachten wertvolle Erfahrungen in der Ballistik und Gefechtsführung mit, die sie bei der Ausbildung in den U-Lehrdivisionen (ULD) oder bei der Baubelehrung in den KLAs (z. B. in Hamburg bei der 2. KLA) einbrachten.
Spezialisierte Ausbildung: Die fachliche Basis für jeden Artillerieoffizier war die Schiffsartillerieschule (SAS) in Kiel-Wik. Diese Schule bildete auch das Personal für die U-Boot-Flak und die Deckgeschütze aus, wodurch eine enge personelle und technische Verzahnung zwischen der Artillerie-Inspektion und der U-Boot-Inspektion bestand.
Technischer Transfer: Bei der Entwicklung von Feuerleitsystemen und Optiken gab es einen stetigen Wissensaustausch zwischen den I AOs der großen Einheiten und den technischen Abteilungen der U-Boot-Waffe, insbesondere bei der Einführung schwererer Flak-Bewaffnung auf U-Booten ab 1943.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 7 / 843 ff Stellenbesetzungslisten. In den Akten der Seekriegsleitung (Skl) wurden regelmäßig Listen geführt, welcher Offizier auf welcher Position (Kommandant, I. AO, I. O.) saß. Dies diente der personellen Übersicht für das Oberkommando der Marine (OKM) und dokumentierte die Versetzungen erfahrener Artillerieoffiziere in andere Zweige, wie etwa zur U-Boot-Waffe für den Bereich des B.d.U.
BArch RM 10 / 456 ff Ausbildung und Bestimmungen. Diese Akten der Artillerieinspektion enthalten die fachspezifischen Anforderungen und Lehrgangspläne für Artillerieoffiziere (AO) sowie deren Zuweisung zu den Schiffseinheiten und Schulen.
BArch Pers 6 Offizierspersonalakten. In diesen Akten ist der individuelle Werdegang einzelner Offiziere festgehalten. Hier lässt sich exakt nachvollziehen, wann ein Offizier die Position eines I AO auf einem Überwasserschiff verließ, um über eine U-Lehrdivision (U.L.D.) in die U-Boot-Waffe einzutreten.
Literaturverweise
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. Podzun-Verlag, Bad Nauheim. Insbesondere Band 3 enthält die systematische Zusammenfassung dieser Archivdaten in Form von Stellenbesetzungslisten für alle schwimmenden Einheiten.
Marinedienstvorschrift Nr. 200 Schiffsdienstvorschrift definiert die allgemeine Rolle des AO innerhalb der Marinehierarchie.
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