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Referent

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Version vom 20. Februar 2026, 16:45 Uhr von Andreas (Diskussion | Beiträge)
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Dienststellung Referent
In der Organisation der Kriegsmarine war ein Referent ein fachlicher Sachbearbeiter innerhalb eines Stabes (z. B. beim B.d.U. oder im O.K.M.). Er trug die Verantwortung für ein eng umgrenztes Spezialgebiet und bereitete fachspezifische Entscheidungen für die Admiralstabsoffiziere (Astos) oder den Befehlshaber vor. Er bildete das fachliche Rückgrat der administrativen und technischen Stabsarbeit.
Funktion und Aufgabenbereiche
Fachliche Expertise: Als „Spezialist für das Detail“ kümmerte sich der Referent um die technische oder administrative Umsetzung operativer Vorgaben, während die Astos die taktische Führung wahrnahmen.
Spezialgebiete: Differenzierung in Torpedo-Referenten (Analyse von Versagern), Funk-Referenten (Überwachung der Enigma-Verfahren), Personal-Referenten (Crew-Planung) oder Ausrüstungs-Referenten (Proviantierung).
Berichtswesen: Auswertung der Kriegstagebücher (KTB) der Kommandanten zur Identifizierung fachspezifischer Probleme und Erstellung von Stellungnahmen für die übergeordnete Führung.
Industrieschnittstelle: Halten des direkten Kontakts zu Werften (z. B. Marinearsenal Kiel) oder Waffenämtern, um technische Mängel an den Booten durch direkte Rückmeldung aus der Front abzustellen.
Spezifische Merkmale & Qualifikation
Sachbearbeitung: Ein Referent war kein Befehlshaber, sondern ein Zuarbeiter, dessen fachliches Votum oft maßgeblich für Befehle zur technischen Änderung oder personellen Umstrukturierung war.
Koordinierungsrolle: Zusammenführung von Erkenntnissen aus verschiedenen Frontabschnitten zur Standardisierung von Verfahrensweisen innerhalb der Flottillen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Front-Expertise: Erfolgreiche Kommandanten (z. B. Udo Behrens) wurden nach ihrer aktiven Bordzeit oft als Referenten in die Flottillenstäbe oder zum Stab des B.d.U. Op berufen, um ihr Praxiswissen einzubringen.
Personalsteuerung: Unterstützung bei der Planung der Kommandanten-Lehrgänge und der Zuweisung von Spezialisten der Personalreserve auf die entsprechenden Frontboote.
Entscheidungsvorbereitung: Vorbereitung der fachlichen Grundlagen für die Wolfsrudeltaktik, insbesondere durch die Analyse der funktechnischen und torpedometrischen Rahmenbedingungen.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 7 Seekriegsleitung / B.d.U.: Enthält von Referenten gezeichnete Vermerke, Berichte und fachliche Auswertungen der Kriegstagebücher.
BArch PERS 6 Personalakten: Nachweise über Verwendungen als „Referent in der Abt. [X] beim B.d.U.“ oder beim F.d.U. Ausbildungsflottillen.
Literaturverweise
Marinedienstvorschrift Nr. 32 Bestimmungen für die personelle Verwaltung (Grundlagen der Stabsarbeit).
Karl Dönitz "Zehn Jahre und zwanzig Tage" (Beschreibt die Arbeitsweise und Bedeutung der Referenten in seinem Stab).
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band 3 mit detaillierten Listen der Referenten in den Ämtern des OKM).
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