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Marineattaché

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Dienststellung Marineattaché
Der Marineattaché war ein Seeoffizier im diplomatischen Dienst, der der deutschen Botschaft oder Gesandtschaft in einem Gastland beigegeben war. Er unterstand unmittelbar dem Botschafter in diplomatischer Hinsicht und fachlich der Abteilung Marinenachrichtendienst (2. Abt. Skl) im OKM. Seine Hauptaufgaben waren die Beobachtung der maritimen Rüstung und Strategie des Gastlandes, die Pflege der zwischenstaatlichen Marinebeziehungen sowie die Unterstützung der eigenen Seekriegsleitung durch Fachberichte. In verbündeten oder neutralen Staaten koordinierte er zudem die Versorgung eigener Schiffe und die Arbeit der dortigen Marinestützpunkte.
Entstehung, Funktion und Aufgaben
Aufgaben: Militärdiplomatie; Nachrichtenbeschaffung über fremde Flotten; Betreuung von Hafenbesuchen; technische Zusammenarbeit mit Verbündeten.
Standorte: Vertretungen in neutralen (z. B. Madrid, Stockholm, Ankara) und verbündeten Hauptstädten (z. B. Rom, Tokio, Helsinki).
Qualifikation: Erfahrene Seeoffiziere (meist Fregatten- oder Kapitän zur See) mit Sprachkenntnissen und diplomatischem Geschick.
Ende 1945: Mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und der Kapitulation im Mai 1945 wurden alle Attaché-Dienststellen aufgelöst.
Spezifische Merkmale
Berichterstattung: Erstellung regelmäßiger Attaché-Berichte über Schiffstypen, Werftkapazitäten und operative Stützpunkte des Gastlandes.
Sonderaufgaben: In neutralen Staaten oft inoffizielle Koordination von Etappenversorgung (Treibstoff, Proviant) für deutsche Hilfskreuzer und U-Boote.
Status: Offizieller Angehöriger des diplomatischen Korps mit entsprechender Immunität und direktem Zugang zu den Marineministerien der Gastländer.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Monsun-Boote: Der Marineattaché in Tokio war entscheidend für die logistische Basis der U-Boote in Ostasien (Penang, Singapur, Kobe).
Internierung: Betreuung von U-Boot-Besatzungen, deren Boote in neutralen Häfen (z. B. Spanien) interniert oder zur Reparatur eingelaufen waren.
Spionageabwehr: Überwachung feindlicher Schifffahrtsrouten und Meldung von Geleitzug-Informationen aus neutralen Beobachtungsposten an den BdU.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 12 Marineattachés: Umfangreiche Aktenbestände über die Korrespondenz und Berichte der verschiedenen Attaché-Dienststellen.
BArch RM 7 Seekriegsleitung: Berichte der 2. Abteilung (Nachrichtendienst) über die Auswertung der Attaché-Meldungen.
BArch PERS 6 Personalakten: Werdegänge von Seeoffizierenn mit der Verwendung als Marineattaché (z. B. Paul Wenneker, Tokio).
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand „Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945“ (Band II, Kapitel: Die Marineattachés).
Wegner, Günter „Stellenbesetzung der deutschen Marine 1848–1945“ (Systematik der Attaché-Dienststellen).
Keilig, Wolf „Das Deutsche Heer 1939–1945“ (Details zur diplomatischen Gliederung der Wehrmacht).
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