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Prisenoffizier

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Dienststellung Prisenoffizier
Ein Prisenoffizier war ein spezialisierter Seeoffizier, der für die Durchführung des Prisenrechts an Bord von gekaperten feindlichen oder neutralen Handelsschiffen verantwortlich war. Seine Aufgabe bestand darin, das gestoppte Schiff mit einem Prisenkommando zu betreten, die Schiffspapiere und die Ladung auf Konterbande zu prüfen und die rechtliche Grundlage für eine Aufbringung oder Versenkung gemäß der Prisenordnung (PrO) festzustellen. Er fungierte als Vertreter des Staates auf dem Prisenschiff und musste oft komplexe völkerrechtliche Entscheidungen unter Zeitdruck treffen. In der Kriegsmarine wurde diese Rolle meist von Wachoffizieren (W.O.) im Nebenamt ausgeübt, die über entsprechende Kenntnisse im Seehandelsrecht verfügten. In den Personalunterlagen dokumentiert diese Verwendung hohe Selbstständigkeit und diplomatisches sowie rechtliches Fachwissen.
Aufgaben und Spezialisierung
Untersuchung: Durchsuchung des Schiffes nach versteckten Papieren, Waffen oder Funkanlagen; Feststellung der Nationalität und des Bestimmungsortes der Ladung.
Prisenkommando: Führung einer bewaffneten Gruppe von Matrosen zur Sicherung des Schiffes und zur Kontrolle der fremden Besatzung während der Untersuchung.
Prisenhof: Sicherstellung aller Beweismittel und Dokumente für das spätere Verfahren vor dem Prisenhof (z.B. in Hamburg oder Berlin), der über die Rechtmäßigkeit der Beute entschied.
Schiffsführung: Im Falle einer Aufbringung übernahm der Prisenoffizier die Führung des Schiffes, um es mit einer Rumpfbesatzung in einen deutschen oder neutralen Hafen einzubringen.
Spezifische Details & Ergänzungen
Prisenordnung: Verbindliche Rechtsgrundlage (M.Dv. 40), die den Ablauf vom Stoppen durch Warnschuss bis zur Bergung der Besatzung vor einer Versenkung genau regelte.
Sprachkenntnisse: Grundvoraussetzung für Prisenoffiziere waren Fremdsprachenkenntnisse (meist Englisch oder Französisch), um Verhandlungen mit den fremden Kapitänen zu führen.
Funkverbot: Die wichtigste Maßnahme nach dem Betreten war die Versiegelung der Funkstation, um Notrufe ("SSS" für Submarine) und Positionsmeldungen zu verhindern.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Überwasserkrieg: In der frühen Phase des Krieges (1939-1941) führten U-Boote den Handelskrieg oft noch "nach Prisenordnung", was das Anhalten und Durchsuchen von Einzelfahrern erforderte.
Prisenkommando U-Boot: Aufgrund des Platzmangels auf U-Booten war das Prisenkommando meist sehr klein; der II. W.O. fungierte hierbei oft als Prisenoffizier.
Biografischer Marker: In den Personalakten dokumentiert die Ernennung zum Prisenoffizier die Eignung für eigenverantwortliche Sonderaufgaben fernab der eigenen Einheit.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 7 / 2331 Seekriegsleitung: Akten zur Anwendung des Prisenrechts und Berichte über aufgebrachte Schiffe durch U-Boote und Hilfskreuzer.
BArch RHD 18 M.Dv. 40: Prisenordnung für die Kriegsmarine. Grundlegende Vorschrift für die Ausbildung und den Einsatz der Prisenoffiziere.
BArch PERS 6 Personalakten: Nachweise über Lehrgänge im Prisenrecht und Berichte über erfolgreich durchgeführte Prisenkommandos.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945 (Band III, Kapitel zum See- und Prisenrecht sowie der Ausbildung der Offiziere).
Mallmann Showell, J.P. The German Navy in World War Two (Details zum Handelskrieg nach Prisenordnung und den Aufgaben der Enterkommandos).
Hildebrand, Hans H. Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien (Bietet Kontext zu den Prisenoffizieren auf Hilfskreuzern und deren logistischer Bedeutung).
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