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Schifffahrtsreferent

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Verband Schifffahrtsreferent
Der Schifffahrtsreferent war eine zentrale Dienststellung innerhalb der Stäbe der Marinebefehlshaber oder Admiralstäbe, zuständig für die Erfassung, Bereitstellung und Lenkung des gewerblichen Schiffsraums. Er fungierte als Bindeglied zwischen der militärischen Führung und der zivilen Seeschifffahrt, um den reibungslosen Ablauf von Nachschubtransporten und die wirtschaftliche Nutzung von Frachtkapazitäten in den besetzten Gebieten sicherzustellen.
Entstehung, Funktion und Ende
Aufstellung: Eingerichtet im Zuge der Besetzung ausländischer Küstenräume; meist den jeweiligen Seekommandanten oder den Abteilungen für Schifffahrtswesen (A VI) im OKM fachlich unterstellt.
Standort: Ansässig in den großen Hafenmetropolen wie Antwerpen, Rotterdam oder Oslo. Der Referent arbeitete eng mit den Hafenkapitänen und den örtlichen Schifffahrtsbehörden zusammen.
Technik: Verwaltung der Schiffsregister; Koordination der Instandsetzung von Prisen und requirierten Handelsschiffen in Zusammenarbeit mit den technischen Abteilungen der Werften.
Ende 1945: Mit der Kapitulation und der Rückgabe des Schiffsraums an die jeweiligen Eigner oder die Alliierten wurde die Dienststellung des Schifffahrtsreferenten im Mai 1945 aufgelöst.
Spezifische Merkmale
Schiffsraumlenkung: Priorisierung von Transporten nach militärischer Dringlichkeit; Überwachung der Beladezeiten und Optimierung der Umlaufzeiten des verfügbaren Laderaums.
Prisenwesen: Mitwirkung bei der rechtlichen und praktischen Erfassung von feindlichem Schiffsraum zur Eingliederung in das deutsche Versorgungsnetz der Kriegsmarine.
H.S.O.-Kooperation: Enge fachliche Zusammenarbeit mit den Handelsschiffsoffizieren (H.S.O.), die als nautische Berater für die Durchführung komplexer Transportaufgaben herangezogen wurden.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Werftkapazitäten: Der Schifffahrtsreferent koordinierte die Belegung von Dockplätzen, um Kollisionen zwischen U-Boot-Instandsetzungen und Reparaturen an Versorgungsschiffen zu vermeiden.
Nachschub-Logistik: Sicherstellung des Antransports von Torpedos, Treibstoff und Batterien für die U-Boot-Stützpunkte über den effizienteren Seeweg unter Ausnutzung ziviler Frachtkapazitäten.
Personaltransfer: Organisation der Seetransporte für Werftpersonal und Bauabschnitte, die für den Erhalt der Einsatzfähigkeit der Front-U-Boote benötigt wurden.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 7 Seekriegsleitung: Akten der Abteilung für Schifffahrtswesen (A VI) über die Richtlinien der Schiffsraumlenkung in den besetzten Gebieten.
BArch RM 51 Marinebefehlshaber Kanalküste: Tätigkeitsberichte der Schifffahrtsreferenten im Raum Belgien und Nordfrankreich.
BArch PERS 6 Personalakten: Nachweise über Reserveoffiziere mit kaufmännischem Hintergrund, die als Schifffahrtsreferenten eingesetzt wurden.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel Schifffahrtswesen und Transportwirtschaft).
Mallmann Showell, J. "Das Handbuch der deutschen Kriegsmarine" (Details zur Organisation der rückwärtigen Dienste und der Hafenverwaltung).
Arndt, Peter "Deutsche Sperrbrecher 1914–1945" (Hinweise zur Zusammenarbeit mit den Schifffahrtsreferenten bei der Schiffsraumakquise).
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