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Gruppenoffizier: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| colspan="3" | Ein Gruppenoffizier war ein Erzieher und Vorgesetzter in der Offiziersausbildung der Kriegsmarine, der eine Gruppe von Offizieranwärtern (einer Crew) während ihrer Zeit an den Marineschulen unmittelbar leitete und formte. Der Gruppenoffizier war die entscheidende Bezugsperson für die jungen Anwärter. Er war nicht nur für die militärische Ausbildung verantwortlich, sondern auch für die charakterliche Formung und die Beurteilung der Eignung für den späteren Dienst als Seeoffizier.
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| colspan="3" | Ein Gruppenoffizier war der primäre Erzieher und Vorgesetzte in der Offiziersausbildung. Er leitete eine Gruppe von Offizieranwärtern (einer Crew) unmittelbar und war maßgeblich für deren charakterliche Formung, militärische Ausbildung und die finale Beurteilung der Offizierseignung verantwortlich.
 
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| Aufgabengebiet: || colspan="3" | Leitung von ca. 30 bis 40 Fähnrichen oder Seekadetten an Marineschulen (z. B. Mürwik). Überwachung des Tagesablaufs, Leitung des militärischen Unterrichts, des Exerzierdienstes und der sportlichen Ausbildung zur Festigung des Korpsgeistes.
 
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| colspan="3" | Aufgabengebiet und Erziehung: Der Gruppenoffizier leitete eine Gruppe von etwa 30 bis 40 Fähnrichen oder Seekadetten. Sein Dienstort war zumeist die Marineschule Mürwik oder eine der technischen Schulen. Er überwachte den gesamten Tagesablauf, leitete den militärischen Unterricht, den Exerzierdienst und die sportliche Ausbildung. Seine Hauptaufgabe bestand darin, den Korpsgeist der jeweiligen Crew zu festigen und die traditionellen Werte der Marine zu vermitteln.  
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| Beurteilungswesen: || colspan="3" | Erstellung der charakterlichen Eignungsberichte. Diese Gutachten entschieden über die Beförderung zum Leutnant zur See oder das Ausscheiden aus der Laufbahn.
 
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| colspan="3" | Beurteilungswesen: Eine der wichtigsten Funktionen des Gruppenoffiziers war das Erstellen der Beurteilungen. Diese Berichte über Führung, Charakter und Leistung entschieden maßgeblich darüber, ob ein Anwärter zum Leutnant zur See befördert wurde oder als ungeeignet aus der Offizierslaufbahn ausschied. Er begleitete seine Gruppe oft über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis zu einem Jahr.  
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| Kriegsende 1945: || colspan="3" | Versetzung mit den Lehrgruppen in den aktiven Frontdienst oder zur infanteristischen Verteidigung (z. B. Raum Schleswig-Holstein). Nach dem 08.05.1945 verantwortlich für die geordnete Entlassung der Anwärter.
 
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: Mit der Einstellung des regulären Lehrbetriebs an den Schulen im Jahr 1945 wurden viele Gruppenoffiziere zusammen mit ihren Lehrgruppen in den aktiven Frontdienst oder zur infanteristischen Verteidigung (z. B. im Raum Schleswig-Holstein) versetzt. Nach der Kapitulation am 08.05.1945 waren sie oft für die geordnete Abwicklung ihrer Einheiten und die Entlassung der Anwärter aus dem Dienstverhältnis verantwortlich.
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! colspan="3" | Besonderheiten der Dienststellung
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| Mentor & Vorbild: || colspan="3" | Der Gruppenoffizier lebte oft in unmittelbarer Nähe seiner Gruppe. Er fungierte als „Auge und Ohr“ der Schulleitung und musste durch persönliche Integrität und Härte als unangefochtenes Vorbild dienen.
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| Selektion durch Stress: || colspan="3" | Er baute bewusst psychischen Druck auf, um die Belastbarkeit der Anwärter unter Schlafentzug und physischer Erschöpfung zu testen – eine Simulation der späteren Verhältnisse auf See.
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| "Crew-Kohäsion": || colspan="3" | Er förderte die unbedingte Solidarität innerhalb der Crew. Ein Versagen des Einzelnen wurde oft als Versagen der Gruppe gewertet, um das Prinzip der Schicksalsgemeinschaft einzuschärfen.
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| colspan="3" | Vorauslese für den U-Boot-Dienst: Da der Bedarf an Offiziersnachwuchs für die U-Boot-Waffe enorm hoch war, achtete der Gruppenoffizier besonders auf Merkmale wie Kaltblütigkeit, schnelle Auffassungsgabe und psychische Stabilität. Er gab Empfehlungen ab, welche Offiziere für die harte Verwendung auf U-Booten infrage kamen.
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| Psychologisches Profil: || colspan="3" | Der Gruppenoffizier leistete die entscheidende Vorarbeit für den BdU, indem er gezielt auf Kaltblütigkeit und schnelle Auffassungsgabe achtete und Empfehlungen für die Verwendung auf U-Booten aussprach.
 
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| colspan="3" | Vorbereitung auf die Bordgemeinschaft: Der Gruppenoffizier legte den Grundstein für das Verständnis der engen Bordgemeinschaft. Dieses soziale Gefüge war auf einem U-Boot, wo Offiziere und Mannschaften auf engstem Raum zusammenlebten, von existenzieller Bedeutung für die Schlagkraft des Bootes.
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| Bordgemeinschaft: || colspan="3" | Er legte den Grundstein für das Verständnis der engen Sozialstruktur an Bord, die auf U-Booten aufgrund des Mangels an Privatsphäre und der permanenten Gefahr von existenzieller Bedeutung war.
 
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| colspan="3" | Vorbildfunktion für zukünftige Kommandanten: Für viele spätere U-Boot-Kommandanten war ihr Gruppenoffizier das erste prägende Vorbild in Sachen Menschenführung. Die dort erlernten Führungsgrundsätze wurden später auf die Besatzungen der Frontboote übertragen.
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| Vorbild für Kommandanten: || colspan="3" | Die Führungsgrundsätze des Gruppenoffiziers prägten den späteren Führungsstil der U-Boot-Kommandanten gegenüber ihren eigenen Besatzungen auf Feindfahrt.
 
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
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! colspan="3" | Quellenverweise - [https://www.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 
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| B.Arch. RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen (Enthält Richtlinien für Gruppenoffiziere und Lehrgangspläne der Crews).
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| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten der Kriegsmarine. Enthält die durch Gruppenoffiziere erstellten Beurteilungen und Crew-Listen.
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| B.Arch. RM 20 / 904 || colspan="3" | Personalbestimmungen für die Ausbildung der Seeoffiziere (Dokumentiert die Auswahlkriterien und Aufgaben der Erziehungsoffiziere).
 
 
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| B.Arch. RM 20 / 1022 || colspan="3" | Erfahrungsberichte über die Offiziersausbildung (Behandelt die pädagogischen Aspekte und die Anforderungen an das Führungspersonal).
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| BArch RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen. Beinhaltet Richtlinien für die Erziehungsarbeit und Dienstanweisungen für das Ausbildungspersonal.
 
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band III, Kapitel über das Bildungs- und Erziehungswesen der Marine).
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Offiziersausbildung und Erziehung).
 
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| Mulligan, Timothy P. || colspan="3" | Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse der sozialen Herkunft und der Ausbildungskontinuität der Offiziere).
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| Busch / Röll || colspan="3" | "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". (Details zur sozialen Prägung der U-Boot-Offiziere).
 
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| Busch, Rainer / Röll, Hans-Joachim || colspan="3" | Der U-Boot-Krieg 1939–1945: Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe. (Biografische Details zum Werdegang und den Ausbildungsstationen prominenter Offiziere).
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| Güth, Rolf || colspan="3" | "Die Marineausbildung im Wandel" (Analyse der Rolle der Gruppenoffiziere in Mürwik).
 
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| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
 
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
 
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Aktuelle Version vom 16. Februar 2026, 15:01 Uhr

Dienststellung Gruppenoffizier
Ein Gruppenoffizier war der primäre Erzieher und Vorgesetzte in der Offiziersausbildung. Er leitete eine Gruppe von Offizieranwärtern (einer Crew) unmittelbar und war maßgeblich für deren charakterliche Formung, militärische Ausbildung und die finale Beurteilung der Offizierseignung verantwortlich.
Historischer Kontext & Organisation
Aufgabengebiet: Leitung von ca. 30 bis 40 Fähnrichen oder Seekadetten an Marineschulen (z. B. Mürwik). Überwachung des Tagesablaufs, Leitung des militärischen Unterrichts, des Exerzierdienstes und der sportlichen Ausbildung zur Festigung des Korpsgeistes.
Beurteilungswesen: Erstellung der charakterlichen Eignungsberichte. Diese Gutachten entschieden über die Beförderung zum Leutnant zur See oder das Ausscheiden aus der Laufbahn.
Kriegsende 1945: Versetzung mit den Lehrgruppen in den aktiven Frontdienst oder zur infanteristischen Verteidigung (z. B. Raum Schleswig-Holstein). Nach dem 08.05.1945 verantwortlich für die geordnete Entlassung der Anwärter.
Besonderheiten der Dienststellung
Mentor & Vorbild: Der Gruppenoffizier lebte oft in unmittelbarer Nähe seiner Gruppe. Er fungierte als „Auge und Ohr“ der Schulleitung und musste durch persönliche Integrität und Härte als unangefochtenes Vorbild dienen.
Selektion durch Stress: Er baute bewusst psychischen Druck auf, um die Belastbarkeit der Anwärter unter Schlafentzug und physischer Erschöpfung zu testen – eine Simulation der späteren Verhältnisse auf See.
"Crew-Kohäsion": Er förderte die unbedingte Solidarität innerhalb der Crew. Ein Versagen des Einzelnen wurde oft als Versagen der Gruppe gewertet, um das Prinzip der Schicksalsgemeinschaft einzuschärfen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Psychologisches Profil: Der Gruppenoffizier leistete die entscheidende Vorarbeit für den BdU, indem er gezielt auf Kaltblütigkeit und schnelle Auffassungsgabe achtete und Empfehlungen für die Verwendung auf U-Booten aussprach.
Bordgemeinschaft: Er legte den Grundstein für das Verständnis der engen Sozialstruktur an Bord, die auf U-Booten aufgrund des Mangels an Privatsphäre und der permanenten Gefahr von existenzieller Bedeutung war.
Vorbild für Kommandanten: Die Führungsgrundsätze des Gruppenoffiziers prägten den späteren Führungsstil der U-Boot-Kommandanten gegenüber ihren eigenen Besatzungen auf Feindfahrt.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch PERS 6 Personalakten der Kriegsmarine. Enthält die durch Gruppenoffiziere erstellten Beurteilungen und Crew-Listen.
BArch RM 123 Akten der Marineschulen. Beinhaltet Richtlinien für die Erziehungsarbeit und Dienstanweisungen für das Ausbildungspersonal.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Offiziersausbildung und Erziehung).
Busch / Röll "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". (Details zur sozialen Prägung der U-Boot-Offiziere).
Güth, Rolf "Die Marineausbildung im Wandel" (Analyse der Rolle der Gruppenoffiziere in Mürwik).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132