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2. Lageoffzier: Unterschied zwischen den Versionen

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| colspan="3" | Der 2. Lageoffizier war eine spezialisierte Stabsposition, die vor allem in den höheren Befehlsstellen der Kriegsmarine (beispielsweise beim Befehlshaber der Unterseeboote) zu finden war. Während der 1. Lageoffizier meist die gesamte operative Lage verantwortete, war der 2. Lageoffizier für spezifische Teilbereiche und die Zuarbeit zuständig.
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| colspan="3" | Ein 2. Lageoffizier war ein spezialisierter Offizier in einem höheren Stab (meist ab Ebene einer Sicherungsdivision oder beim Befehlshaber einer Region), der den Ersten Admiralstabsoffizier (A I) bei der Erfassung, Bewertung und Darstellung der aktuellen militärischen Lage unterstützte. Der 2. Lageoffizier war maßgeblich an der kontinuierlichen Fortschreibung des Lagebildes beteiligt. Seine Arbeit bildete die Grundlage für die operativen Entscheidungen des Befehlshabers und die Befehlsgebung an die unterstellten Flottillen.
 
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! colspan="3" |Erfassung und Auswertung der Feindlage
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! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 
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| colspan="3" | Die Hauptaufgabe bestand in der kontinuierlichen Pflege des Lagebildes.
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| colspan="3" | Aufgabengebiet und Lagebearbeitung: Der 2. Lageoffizier war für die Detailarbeit in der Operationsabteilung zuständig. Er wertete eingehende Meldungen von eigenen Einheiten, Küstenbeobachtungsstellen und der Luftaufklärung aus. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag in der Führung der Lagekarte, auf der die Positionen eigener und feindlicher Kräfte sowie bekannte Minenfelder und Gefahrenzonen verzeichnet wurden. Er bereitete die täglichen Lagevorträge vor und war oft für die statistische Erfassung von Geleitzugsbewegungen und Gefechtsergebnissen verantwortlich.
 
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| colspan="3" | Informationseinzug: Er sammelte alle eintreffenden Meldungen über feindliche Schiffsbewegungen, Flugzeugsichtungen und Minenwarnungen.
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| colspan="3" | Zusammenarbeit im Stab: Er arbeitete eng mit dem A I (Operationen) und dem A III (Nachrichtenauswertung) zusammen. Während der Erste Lageoffizier oft die strategische Planung übernahm, lag beim 2. Lageoffizier die Überwachung der laufenden Operationen im Detail. Er stellte sicher, dass Informationen über Kursänderungen oder neue Feindmeldungen unverzüglich an die betroffenen Verbände weitergegeben wurden.
 
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| colspan="3" | Lagekarte: Er führte die großformatigen Lagekarten im Stab und zeichnete die Positionen der eigenen Einheiten (beispielsweise Typ VII C Boote im Atlantik) sowie die vermuteten Standorte gegnerischer Geleitzüge ein.
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges im Jahr 1945 war die Arbeit der Lageoffiziere durch den schnellen Verlust von Stützpunkten und den Zusammenbruch der Kommunikation extrem erschwert. Viele Lageoffiziere waren in den letzten Kriegstagen am 08.05.1945 damit befasst, die letzten Positionsdaten der verbliebenen Einheiten zu erfassen, um eine geordnete Kapitulation oder Rückführung zu ermöglichen. Die Lagekarten und geheimen Unterlagen wurden zumeist vor der Gefangennahme vernichtet, um keine Rückschlüsse auf Taktiken oder verbliebene Ressourcen zuzulassen.
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| colspan="3" | Berichterstattung: Er bereitete die täglichen Lagevorträge für den Chef des Stabes oder den Admiral (beispielsweise den Vizeadmiral) vor.
 
 
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! colspan="3" |Spezialzuständigkeiten (Beispiel U-Boot-Waffe)
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
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| colspan="3" | In einem U-Boot-Stab (Befehlshaber der Unterseeboote) konzentrierte sich der 2. Lageoffizier oft auf:
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| colspan="3" | Überwachung der Durchfahrtswege: In den Stäben der Sicherungsstreitkräfte (z. B. B.S.W. oder B.S.N.) überwachte der 2. Lageoffizier speziell jene Sektoren, die als Auslaufwege für U-Boote dienten. Er glich die aktuellen Minenmeldungen der Minensuchflottillen mit den geplanten Routen der Front-U-Boote ab, um Kollisionen mit neuen feindlichen Sperren zu verhindern.
 
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| colspan="3" | Nachrichtenauswertung: Er arbeitete eng mit dem Signaloffizier zusammen, um entzifferte Funksprüche des Gegners sofort taktisch einzuordnen.
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| colspan="3" | Auswertung von Sichtmeldungen: Eingehende Sichtmeldungen von U-Booten über feindliche Schiffsbewegungen wurden vom 2. Lageoffizier in die Gesamtlage der Sicherungsdivision integriert, um gegebenenfalls eigene Überwasserkräfte zur Unterstützung oder zum Abfangen gegnerischer Einheiten (z. B. britische Schnellboote) zu koordinieren.
 
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| colspan="3" | Wetterlage: Oft war er auch für die Auswertung der Wetterberichte zuständig, da die Sichtverhältnisse für Angriffe der Boote vom Typ XXI oder Typ VII C entscheidend waren.
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| colspan="3" | Schnittstelle zur Nachrichtenaufklärung: Er verarbeitete die von den Horchstellen und Funkmessstationen gemeldeten Daten, um den U-Booten aktuelle Warnungen vor feindlichen Suchgruppen oder „Hunter-Killer-Groups“ in Küstennähe zukommen zu lassen, oft in direkter Abstimmung mit dem Stab des B.d.U..
 
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! colspan="3" |Unterstützung bei der Operationsplanung
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
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| colspan="3" | Er war die „rechte Hand“ des 1. Lageoffiziers bei der Ausarbeitung von Befehlen:
 
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| colspan="3" | Wegesicherung: In Zusammenarbeit mit Dienststellen wie dem Führer der Minensuchboote West prüfte er, ob die vorgesehenen Marschroute für auslaufende U-Boote minenfrei und gesichert waren.
 
 
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| colspan="3" | Statistik: Er führte Buch über die Erfolge (versenkte Tonnage) und die Verluste des eigenen Verbandes.
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| B.Arch. RM 7 || colspan="3" | Akten der Seekriegsleitung (Enthält Berichte über die Organisation der Admiralstäbe und die Aufgabenverteilung in den Operationsabteilungen).
 
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| B.Arch. RM 61 || colspan="3" | Kriegstagebücher der Sicherungsdivisionen (Dokumentiert die tägliche Lagearbeit und die Meldewege innerhalb der Stäbe).
 
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! colspan="3" |Bedeutung für die Führungshierarchie
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| B.Arch. RM 20 / 893 || colspan="3" | Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur Zusammenarbeit mit den Sicherungsstäben bei der Lageerstellung.
 
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| colspan="3" | Die Position wurde meist von einem erfahrenen Kapitänleutnant oder Korvettenkapitän besetzt, der selbst Fronterfahrung als Kommandant gesammelt hatte. Dieses praktische Wissen war nötig, um die oft lückenhaften Meldungen von See (beispielsweise aus einem Nachrichtenlehrgang) korrekt interpretieren zu können.
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! colspan="3" | Literaturverweise
 
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Organisation der Admiralstabsoffiziere und Lageabteilungen).
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! colspan="3" | Quellenangabe
 
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| Bundesarchiv Signatur RM 7 || colspan="3" | In den Kriegstagebüchern der Seekriegsleitung sind die täglichen Lagebeurteilungen, die von den Lageoffiziern erstellt wurden, dokumentiert.
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Detaillierte Übersicht der Stabsbesetzungen und Funktionen der Lageoffiziere).
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| Giessler, Helmuth || colspan="3" | Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst. (Beschreibt die technische Basis für die Lageerstellung und die Informationsflüsse in der Kriegsmarine).
 
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Version vom 11. Februar 2026, 09:45 Uhr

Datenblatt 2. Lageoffzier
Ein 2. Lageoffizier war ein spezialisierter Offizier in einem höheren Stab (meist ab Ebene einer Sicherungsdivision oder beim Befehlshaber einer Region), der den Ersten Admiralstabsoffizier (A I) bei der Erfassung, Bewertung und Darstellung der aktuellen militärischen Lage unterstützte. Der 2. Lageoffizier war maßgeblich an der kontinuierlichen Fortschreibung des Lagebildes beteiligt. Seine Arbeit bildete die Grundlage für die operativen Entscheidungen des Befehlshabers und die Befehlsgebung an die unterstellten Flottillen.
Historischer Kontext & Organisation
Aufgabengebiet und Lagebearbeitung: Der 2. Lageoffizier war für die Detailarbeit in der Operationsabteilung zuständig. Er wertete eingehende Meldungen von eigenen Einheiten, Küstenbeobachtungsstellen und der Luftaufklärung aus. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag in der Führung der Lagekarte, auf der die Positionen eigener und feindlicher Kräfte sowie bekannte Minenfelder und Gefahrenzonen verzeichnet wurden. Er bereitete die täglichen Lagevorträge vor und war oft für die statistische Erfassung von Geleitzugsbewegungen und Gefechtsergebnissen verantwortlich.
Zusammenarbeit im Stab: Er arbeitete eng mit dem A I (Operationen) und dem A III (Nachrichtenauswertung) zusammen. Während der Erste Lageoffizier oft die strategische Planung übernahm, lag beim 2. Lageoffizier die Überwachung der laufenden Operationen im Detail. Er stellte sicher, dass Informationen über Kursänderungen oder neue Feindmeldungen unverzüglich an die betroffenen Verbände weitergegeben wurden.
Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges im Jahr 1945 war die Arbeit der Lageoffiziere durch den schnellen Verlust von Stützpunkten und den Zusammenbruch der Kommunikation extrem erschwert. Viele Lageoffiziere waren in den letzten Kriegstagen am 08.05.1945 damit befasst, die letzten Positionsdaten der verbliebenen Einheiten zu erfassen, um eine geordnete Kapitulation oder Rückführung zu ermöglichen. Die Lagekarten und geheimen Unterlagen wurden zumeist vor der Gefangennahme vernichtet, um keine Rückschlüsse auf Taktiken oder verbliebene Ressourcen zuzulassen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Überwachung der Durchfahrtswege: In den Stäben der Sicherungsstreitkräfte (z. B. B.S.W. oder B.S.N.) überwachte der 2. Lageoffizier speziell jene Sektoren, die als Auslaufwege für U-Boote dienten. Er glich die aktuellen Minenmeldungen der Minensuchflottillen mit den geplanten Routen der Front-U-Boote ab, um Kollisionen mit neuen feindlichen Sperren zu verhindern.
Auswertung von Sichtmeldungen: Eingehende Sichtmeldungen von U-Booten über feindliche Schiffsbewegungen wurden vom 2. Lageoffizier in die Gesamtlage der Sicherungsdivision integriert, um gegebenenfalls eigene Überwasserkräfte zur Unterstützung oder zum Abfangen gegnerischer Einheiten (z. B. britische Schnellboote) zu koordinieren.
Schnittstelle zur Nachrichtenaufklärung: Er verarbeitete die von den Horchstellen und Funkmessstationen gemeldeten Daten, um den U-Booten aktuelle Warnungen vor feindlichen Suchgruppen oder „Hunter-Killer-Groups“ in Küstennähe zukommen zu lassen, oft in direkter Abstimmung mit dem Stab des B.d.U..
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RM 7 Akten der Seekriegsleitung (Enthält Berichte über die Organisation der Admiralstäbe und die Aufgabenverteilung in den Operationsabteilungen).
B.Arch. RM 61 Kriegstagebücher der Sicherungsdivisionen (Dokumentiert die tägliche Lagearbeit und die Meldewege innerhalb der Stäbe).
B.Arch. RM 20 / 893 Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur Zusammenarbeit mit den Sicherungsstäben bei der Lageerstellung.
Literaturverweise
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Organisation der Admiralstabsoffiziere und Lageabteilungen).
Hildebrand, Hans H. Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Detaillierte Übersicht der Stabsbesetzungen und Funktionen der Lageoffiziere).
Giessler, Helmuth Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst. (Beschreibt die technische Basis für die Lageerstellung und die Informationsflüsse in der Kriegsmarine).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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