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Helmut Franzke

Aus U-Boot-Archiv Wiki

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Datenblatt: Helmut Franzke
Geburtsdatum: 02.12.1907
Geburtsort: Tempelhof
Geburtsort Lage - Damals: Landkreis Teltow - Regierungsbezirk Potsdam - Preußische Provinz Brandenburg
Geburtsort Lage - Heute: Stadtteil von Berlin (1920) - Kreisfreie Stadt - Bundesland Berlin - Bundeshauptstadt
Todesdatum: 28.05.1944 (37 Jahre)
Todesort: Belgien
Todesursache: Gefallen
Beigesetzt: Auf der → Kriegsgräberstätte Lommel (Belgien) Block 54 Grab 6511
Dienstgrade
01.04.1929 Obermatrose (Ernennung)
01.04.1931 Matrosengefreiter
04.11.1932 Seekadett (Ernennung)
01.01.1934 Fähnrich zur See
01.09.1935 Oberfähnrich zur See
01.01.1936 Leutnant zur See
01.10.1937 Oberleutnant zur See
01.04.1940 Kapitänleutnant
21.01.1941 Matrose I (Bootsmannslaufbahn) der Reserve Rangverlust und Umernennung
01.03.1944 Matrose I (Steuermannslaufbahn) der Reserve Umernennung
01.05.1944 Matrosengefreiter der Reserve
Orden und Auszeichnungen
18.11.1938 Bulgarisches Militärverdienstkreuz 5. Klasse mit Krone
02.03.1940 Eiserne Kreuz 2. Klasse
25.04.1940 U-Bootskriegsabzeichen 1939
12.07.1943 Kriegsabzeichen für Minensuch-, Ubootsjagd- und Sicherungsverbände
Militärischer Werdegang
01.04.1927 Eintritt in die Reichsmarine als Rekrut (Berufssoldat). Später in die Crew 32 eingegliedert.
01.04.1927 - 01.04.1928 Infanteristische Grundausbildung in der 3./I. Marine-Artillerieabteilung, Kiel.
02.04.1928 - 01.11.1928 Bordausbildung auf dem Kreuzer Nymphe.
01.11.1928 - 29.09.1930 Bordausbildung auf dem Leichten Kreuzer Königsberg.
30.09.1930 - 31.01.1934 Nicht ermittelt.
04.11.1932 - Seeoffiziersanwärter (Ernennung)
01.02.1934 - 17.03.1934 Infanterielehrgang für Fähnriche bei der II. Schiffsstammabteilung der Ostsee Stralsund.
18.03.1934 - 09.04.1934 Nachrichtenlehrgang für Fähnriche an der Torpedoschule, Flensburg-Mürwik.
10.04.1934 - 25.04.1934 Flaklehrgang für Fähnriche an der Küstenartillerieschule, Wilhelmshaven.
26.04.1934 - 12.05.1934 Sperrlehrgang für Fähnriche an der Sperrschule, Kiel-Wik.
13.05.1934 - 03.07.1934 Torpedolehrgang für Fähnriche an der Torpedoschule, Flensburg-Mürwik.
04.07.1934 - 18.04.1935 Hauptlehrgang für Fähnriche mit anschließender Offiziershauptprüfung an der Marineschule, Flensburg-Mürwik.
20.08.1934 - 25.08.1934 - Navigationsbelehrungsfahrt auf dem Leichter Kreuzer Leipzig.
17.01.1935 - 23.01.1935 - Navigationsbelehrungsfahrt auf dem Tender Nordsee.
19.04.1935 - 25.05.1935 Bordausbildung auf dem Schulschiff Schleswig-Holstein.
26.05.1935 - 28.07.1935 Artillerielehrgang an der Schiffsartillerieschule, Kiel-Wik.
29.07.1935 - 03.08.1935 U-Lehrgang an der U-Schule, Kiel.
04.08.1935 - 26.09.1935 Divisionsleutnant auf dem Panzerschiff Admiral Scheer.
01.07.1936 - 31.05.1938 Kompanieoffizier in der II. Marine-Unteroffizierslehrabteilung, Wesermünde.
01.06.1939 - 01.10.1939 Divisionsoffizier auf dem Bordausbildung auf dem Leichter Kreuzer Emden.
02.10.1939 - 26.11.1939 U-Bootsausbildung an der U-Schule, Neustadt.
27.11.1939 - 01.01.1940 Nachrichtenlehrgang für U-Wachoffiziere an der Nachrichtenschule, Flensburg-Mürwik.
02.01.1940 - 07.01.1940 I. Wachoffizier auf U 26 (I A) unter Heinz Scheringer. (Keine Unternehmungen).
08.01.1940 - 21.01.1940 Torpedolehrgang für U-Wachoffiziere an der Torpedoschule, Flensburg-Mürwik.
22.01.1940 - 08.06.1940 I. Wachoffizier auf U 26 (I A) unter Heinz Scheringer und Heinz Fischer. 3 Unternehmungen:
29.01.1940 - 01.03.1940 - Nordatlantik. 3 Schiffe ↓ 10.581 BRT.
13.04.1940 - 25.04.1940 - Nordmeer, Küste Norwegens. 1 Schiff ↓ 5.159 BRT.
23.05.1940 - 05.06.1940 - Nordsee, Drontheim. Transportfahrt.
09.06.1940 - 28.07.1940 Kommandanten-Lehrgang. Kommandanten-Schießlehrgang bei der 1. U-Ausbildungsflottille, Memel.
29.07.1940 - 09.11.1940 Kommandant von U 3 (II A) - (Schulboot).
10.11.1940 - 21.01.1941 Zur Verfügung der I. Schiffsstammabteilung der Ostsee, Kiel.
Kriegsgericht wegen § 175 angeblicher Homosexualität/widernatürliche Unzucht mit Untergebenen. Strafe 1 Jahr und 3 Monaten Gefängnis und Rangverlust.
22.01.1941 - 24.04.1942 Im Wehrmachtsgefängnis Anklam.
25.04.1942 - 22.05.1942 Matrose in der 4. Schiffsstammabteilung, Wilhelmshaven später 1. Marine-Flak-Stammregiment.
23.05.1942 - 20.07.1943 Matrose in der 11. U-Jagdflottille.
20.02.1943 - 20.07.1943 - Auf dem U-Jäger Uj 1111.
21.07.1943 - 02.08.1943 Zur Verfügung der 12. Landungsflottille Rotterdam.
03.08.1943 - 20.03.1944 Zur Verfügung der 11. Sicherungsflottille, Triest.
21.03.1944 - 28.05.1944 Zur Verfügung des 1. Flottillenstammregiment, Beverloo/Eisden.
28.05.1944 In Belgien ums Leben gekommen. Nach anderen Angaben starb Helmut Franzke auf einem Vorpostenboot.
Der Fall Franzke
Die Anklage vor dem Marinegericht stützte sich auf mehrere Vorfälle von „widernatürlicher Unzucht“ mit Untergebenen während seiner Dienstzeit als Kommandant. Konkret ging es um sexuelle Handlungen mit Mannschaftsgraden seiner eigenen Besatzung. In der damaligen Rechtspraxis der Kriegsmarine wurde dies nicht nur als Verstoß gegen den § 175 StGB gewertet, sondern primär als „schwerer Missbrauch der Befehlsgewalt“ und massive „Zersetzung der Mannszucht“. Da das Vertrauensverhältnis zwischen Offizier und Mannschaft auf einem U-Boot als heiliges Gut galt, wog das Urteil besonders schwer: Strafmaß: 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis. Nebenfolge: Verlust des Offiziersranges (Ausstoßung aus der Kriegsmarine). Nach Verbüßung der Haftstrafe in einer militärischen Vollzugsanstalt, wie dem Wehrmachtsgefängnis Anklam, wurden derart degradierte Offiziere oft als einfache Matrosen in Bewährungseinheiten oder zur Marine-Infanterie (z. B. Marine-Schützen-Brigaden) an die Front überstellt.
Ein solcher Vorgang führte zur sofortigen Entfernung aus dem U-Boot-Kriegstheater und zur Löschung aus der Rangliste der Seeoffiziere. Die genauen Protokolle der Zeugenaussagen sind in den Justizakten der Marinestation der Ostsee (BArch RM 17) hinterlegt, wobei diese Akten aufgrund der Thematik oft strengeren Sperrfristen oder Schutzbestimmungen unterliegen.
Geständnis oder Zeugen: Die Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten (statt einer geringeren Disziplinarstrafe) setzte nach der damaligen Militärstrafgerichtsordnung eine erdrückende Beweislast oder ein Geständnis voraus.
Keine Rehabilitation: Es gibt in den Personalakten (BArch PERS 6) keine Hinweise auf ein späteres Wiederaufnahmeverfahren oder eine Aufhebung des Urteils wegen Irrtums.
Härte der NS-Justiz: Kritisch anzumerken ist lediglich, dass unter der NS-Rechtsprechung (Verschärfung des § 175 im Jahr 1935) bereits „gegenseitiges Berühren“ oder „luesterne Blicke“ für eine Verurteilung ausreichen konnten. Eine „widernatürliche Unzucht“ im heutigen Sinne (Beischlaf) war für das Erreichen dieses Strafmaßes nicht zwingend erforderlich.
Machtmissbrauch: Das Gericht wertete das „Abhängigkeitsverhältnis“ der Untergebenen als erschwerend. In den Augen der Marineführung war nicht nur die Homosexualität das Problem, sondern die Zerstörung der Hierarchie auf dem engen Raum eines U-Bootes.
Während des Verfahrens (1941): In den Justizakten der Marinestation der Ostsee finden sich im Regelfall nur die förmlichen Einlassungen des Beschuldigten. Es ist davon auszugehen, dass Franzke – wie in solchen Fällen üblich – versuchte, die Vorwürfe als Missverständnisse oder freundschaftliche Gesten darzustellen, was das Gericht jedoch aufgrund der Zeugenaussagen der Untergebenen verwarf.
Nach der Verurteilung: Mit der Ausstoßung aus der Kriegsmarine und dem Rangverlust verliert sich seine Spur in den offiziellen Marine-Annalen. Er galt als „unwürdig“ und wurde aus der Rangliste der Seeoffiziere gestrichen. Damit endete auch jede öffentliche oder kameradschaftliche Dokumentation über ihn.
Historische Forschung: Auch in Standardwerken wie denen von Busch / Röll wird er lediglich mit seinen Kommandodaten und dem Vermerk des Ausscheidens geführt, ohne persönliche Zitate.
Es gibt also keine bekannten Gegen-Aussagen von ihm, die das Urteil entkräften oder seine Sicht der Dinge schildern. Der Fall wurde von der Marineführung als abgeschlossene Disziplinarangelegenheit behandelt.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch PERS 6 Die Personalakten-Sammlung. Dies ist die Quelle für einzelne Personen. Hier liegen die Akten alphabetisch geordnet. Jede Ernennung zum Kommandanten, basiert rechtlich auf einem Dokument in diesem Bestand.
BArch RM 7 / 843 ff. Stellenbesetzungslisten. In den Akten der Seekriegsleitung (Skl) wurden regelmäßig Listen geführt, welcher Offizier auf welcher Position (Kommandant, I. W.O., L.I.) saß. Dies diente der personellen Übersicht für den B.d.U.
BArch RHD 18 Neben den Akten gibt es die gedruckten Ranglisten der Deutschen Kriegsmarine (Bestand BArch RHD 18). Hier sind die Offiziere nach ihren Crews und ihrem Dienstalter sortiert. Dies ist die beste Quelle, um das Beförderungsdatum zu verifizieren.
Literaturverweise
Rainer Busch/Hans Joachim Röll "Der U-Boot-Krieg 1939 - 1945 - Die deutschen U-Boot-Kommandanten" - Mittler Verlag 1996 - S. 71. | → Amazon
Walter Lohmann/Hans H. Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939 - 1945" - Podzun Verlag 1956 - Band 3 - Abschnitt 292 - S. 68. | → Amazon
Dr. Erich Uetrecht "Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reiches" - Verlag Leipzig u. Wien Bibliographisches Institut 1912 - 1935. | → ZVAB - Antiquariat
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